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Crocodile Gears: Über Spiele und ihre Selbstwahrnehmung

Zugegeben...für eine totgesagte Plattform sieht die Zukunft der Xbox nach dem gestrigen Showcase etwas rosiger aus, als es der Zyniker in mir zulassen wollte. Genauer gesagt scheint die Zukunft von Microsofts Konsole transluzent grün. Aber nicht nur in Sachen Design hieß es gestern Abend Back to the Roots.

Von all den gezeigten kleinen und großen Ankündigungen haben keine Spiele mehr Screentime bekommen, als Gears of War und Halo. Tatsächlich erhielt Gears of War E-Day in unmittelbarem Anschluss an den Showcase zusätzlich noch seine eigene Mini- Dokumentation, ein Gameplay Deep Dive in Form einer Mélange aus Nintendo Direct und Noclip Video.

Fair, möchte man sagen. Denn beide Franchises sind in der Marken-DNA der Xbox ähnlich verankert, wie Mario und Zelda bei Nintendo und Kratos und Astro Bot bei Playstation.

Und bei Godfrey, mir hat sehr gefallen, was ich sah. Das gezeigte Gameplay sah clean aus, lief flüßig und machte beim Zusehen Spaß. Ahnlich wie Obsidians Avowed im letzten Jahr den Spirit von Oblivion einfing und mir das Gefühl gab, ich säße in meinem alten Kinderzimmer vor meiner Düsenjet Xbox 360, den Geschmack von Döner und Dosencola auf den Lippen, katapultierte Gears of War E- Day mich zurück in den Winter 2008.

Bob (erinnert ihr euch an Bob? 😁) und ich zockten die eigentlich in Deutschland noch indizierten, originalen Gears of War 1 und 2 im Couch Co-op, als wär's unsere Karriere. Mein damaliger Mitschüler Amadeus hatte sie mir aus Österreich besorgt. 70€ für beide zusammen. Und das obwohl Gears 2 keine 4 Wochen vorher erschienen war. Good Lad, that.

Meine Gefühle für Gears of War waren zwar nie so tief und passioniert wie für so manch anderes Franchise, aber ich blieb ihnen stets wohlgesonnen, den 400 Pfund schweren Muskelbergen mit den Kettensägengewehren. Den Testosteronbiestern, die sich, im Gedärmhagel der Locust, Oneliner um du Ohren schmissen. Den völlig überzeichneten He-Men in grotesker Körperpanzerung. Es war Popcorn-Unterhaltung in Reinkultur und Gott sei Dank dafür, richtig?

...richtig?

Offensichtlich nicht. Denn so interessant manche Einblicke hinter die Kulissen in der Gears Direct auch gewesen sein mögen, allen voran das Sounddesign, verließ ich den Stream doch eher ernüchtert. Einfach weil es einen fundamentalen Dissens zu geben scheint zwischen dem, was Gears of War ist und dem, was es sein will. Die Schöpfer der Serie Dinge sagen zu hören wie "Wir wollen eine persönliche, emotional-intime Story erzählen; wir wollen zu dem zurückkehren, was Gears ausmacht. Das bedeutet, schonungslos zu zeigen, was Krieg mit Menschen macht und dabei geht es auch immer wieder um Themen wie Freundschaft, Kameradschaft und darum, füreinander einzustehen. Ach... und hier, seht mal... die Augenbraue von Marcus Phoenix hat eine höhere Polygondichte als das gesamte Charaktermodell aus Teil 1, ist das nicht spannend?", hat mich extrem verwirrt. Ich lag gestern auf meinem Bett und dachte mir: "Ehm... nein ist es nicht? Das ist doch nicht das, was Gears ausmacht"

Ich möchte das Ganze, allein aus aktuellem Anlass, richtig verstanden wissen. Das hier ist kein blindes Hit Piece a' la Es kann nur dann God of War sein, wenn man einen brutalen, rücksichtslosen Kratos spielt. Ich will keine Charakterentwicklung oder Schaff mir die 43 jährige, hässliche Mama aus meinem Game. Um Gottes Willen.

Jeder, der mich ein bisschen kennt wird bestätigen, dass ich es liebe, wenn die Bücher, Serien und Spiele, die ich konsumiere, tiefer gehen. Medien, die Dialoge mit Gravitas haben, schwierige, unangenehme Themen behandeln, Sinnfragen stellen oder Redemption Arcs zeigen, gib sie mir reichlich und häufig. Aber es muss nachvollziehbar sein und organisch entwickelt werden. Es gibt nichts Schlimmeres, als aufgesetzte oder überhastete Charakterentwicklung. Guckt euch den gigantischen Scheißhaufen an, der da ist die letzten zwei Staffeln von Game of Thrones.

Ich denke, ich kann mit einer kurzen Anekdote aus meiner Studentenzeit am besten zeigen, was ich meine. Im Jahre 2012 war ich mit zwei Freunden im Kino, um The Expandables II zu schauen. Ein stumpfsinniger Actionfilm, in dem eine Reihe ausrangierter Soldaten in geheimer Mission loszieht, um eine berühmte Persönlichkeit aus den finsteren Fängen des Kommunismus zu befreien. So oder so ähnlich war es. Denn ehrlicherweise ist alles, woran ich mich wirklich erinnern kann, Tod, Rauch, Explosionen, Muskelberge und Chuck "Fucking" Norris.

Der Kinosaal war schon damals gähnend leer, mit uns zusammen war nur noch eine kleine Freundesgruppe von 5 oder 6 Personen anwesend, die in der Reihe hinter uns saß. Durchgehend waren sie am Quatschen, die Jungs; sie hatten Bier mit hineingeschmuggelt und stießen immer wieder auf fliegende Gedärme und explodierte Fahrzeuge an.

Im Film selbst gibt es eine Szene in der sich unsere Helden in einem Shootout mit einem Panzer befinden. Eine ausweglose Situation, selbst für Stallone, Lundgren, Terry Crews und Co. Dem Tod ins Gesicht starrend, sehen die Soldaten plötzlich aus dem Nichts eine Rakete ins Bild fliegen und den Panzer explodieren. Einer der Jungs hinter uns schreit laut auf:

"Wenn jetzt Chuck Norris kommt, Leute; ich schwör' ich raste aus!"

Aus dem Explosionsnebel erscheint tatsächlich der damals 73 jährige Chuck Norris. Mit Sonnenbrille. Begleitet vom Theme aus The Good, the Bad and the Ugly. Der Typ hinter uns springt auf, klatscht frenetisch in die Hände und schreit:

"JAAAAA! Verpiss dich, ist das geil!!"

Ich sags. wie es ist: Das Testo-Level im Saal ist für ein paar Minuten um 70% gestiegen und fast hätte ich mich umgedreht und nach nem Bier gefragt, hahaha.

Versteht ihr? Das ist Gears of War. Das The Expendables Pendant zu deinem Dostojevski- esquen Metro: 2033. Bei Gears geht es um eine Gruppe von Dudes und Dudesses von beinahe Comic Book grotesker Statur, die Aliens mit Kettensägen den Brustkorb öffnen und Ratten zu Matsch treten, während sie sich darüber beschweren, dass die Panzerung im Schritt zu eng sitzt. Also lag ich da gestern und dachte nicht nur: "Das ist nicht das, was Gears ist", sondern auch "Das ist überhaupt nicht das nicht das, was ihr hier rüberbringt*. Ihr präsentiert mir Avengers: Endgame, redet aber so daher, als hättet ihr Der Englische Patient gemacht. Das passt einfach nicht zusammen.

Ein Blick in die Kommentare des Videos bestätigt das:

12 Player Horde Mode!!! My Body is ready and my chainsaw is primed!

As a Gears Player since 2007, I'm so excited for this! The World looks amazing, can't wait to destroy it!

So glad to see the blood spattered camera is back!!

Fairerweise muss man sagen, dass es auch zahlreiche sehr emotionale Kommentare gibt. Geschichten über verlorene Freundschaften, erwachsen gewordene Männer, die mittlerweile Vater geworden sind, etc.

Aber: Sie sind emotional, weil sie sich an die Multiplayer Gaming Sessions und die Menschen erinnern, die mit ihnen gezockt haben. Oder sich an der Gears Ästhetik erfreuen und darüber, wie sehr es sie an ihre Kindheit und Jugend erinnert. Nicht, weil sie schon immer mehr über Marcus Phoenix' Beziehung zu seinem Vater wissen wollten. Die Emotionen kommen aus den Geschichten, die sie in ihrem Leben um Gears herum geschrieben haben. Nicht von den Geschichten in Gears selbst.

Ich würde dringend empfehlen, sich da einfach volles Brett reinzulehnen. In diesen „America, Fuck yeah!“ Vibe. Action! Tod! Gedärme! Arschgeile Waffen! Ich sage nicht, Gears kann nichts anderes sein. Ich sage, voller Überzeugung: Es sollte nichts anderes sein. Weil es genau dafür geliebt wird. Weil das emotionale Marketing aufgedrückt und wenig authentisch wirkt.

Bei dem vorhin kurz herangezogenen God of War ist der Imagewechsel deutlich gelungener. Der Traditionslinie von griechischen Dramen folgend, scheitert Kratos tragisch auf seiner Reise. Sein unstillbarerer Durst nach Rache und Chaos war am Ende nie etwas anderes, als die Flucht vor den eigenen Taten, deren Wunden tiefer schnitten als jedes Schwert. Schlussendlich liegt der Held mit leerer Seele am Boden. Fassungslos, ob der Sinnlosigkeit seines Tuns. Das ist vorhersehbar, na klar. Das ist pathetisch aufgeladener Aristoteles Krempel. Logo. Aber das meinte ich vorhin mit "es ist organisch entwickelt." Die Grundlage für Kratos Entwicklung mag klischeehaft sein, aber sie ist nachvollziehbar.

Als Kratos vom Schicksal eine zweite Chance und eine zweite Familie bekommt, von der er selbst weiß, dass er sie nicht verdient hat, treibt ihn nur noch eins an: Der Wunsch, dass sein Sohn besser wird und es besser halt, als er. Und ohne jetzt zu pathetisch zu wirken. Der Wunsch von Eltern, dass die eigenen Kinder bessere Menschen werden und ein besseres, erfüllteres Leben haben, als man selbst, ist etwas zutiefst Menschliches. Kratos sucht keine Erlösung für sich selbst. Er bereut nicht einmal unbedingt seine Taten. Was er aber kompromisslos tut ist, ohne Larmoyanz mit den Konsequenzen zu leben und dabei gleichzeitig aufrichtig bemüht zu versuchen, eben diese von seinem Sohn fernzuhalten. Das ist kein Sinneswandel aus dem Nichts. Das ist Charakterentwicklung und gutes Storytelling.

Genau deshalb funktioniert auch die Story von Red Dead Redemption II so gut. Arthur Morgan ist die meiste Zeit seines Lebens kein guter Mensch. Er weiß das und lügt sich auch nie in die Tasche deswegen. Die todbringende Tuberkulose holt er sich bei einem Mann, den er Für eine Handvoll Dollar (sorry, konnte nicht anders) selbst halb totschlägt. In seinen letzten Monaten setzt das Umdenken bei ihm nicht ein, weil er sich Vergebung oder Erlösung erhofft. Sondern weil er erkennt, dass seine Art zu leben keinen Mehrwert hatte und er das bisschen Zeit, was ihm bleibt, genau so gut nutzen kann, um Menschen zu helfen, ihr Leben in die richtige Bahn zu lenken. Damit sie es besser machen, als er. Das ist Gutes tun, rein um des Guten Willen und damit noch sehr viel bewegender.

Get the hell outta here and be a Goddamn man😭

Die Entwickler von Gears of War zeigen mir in der einen Szene, wie Marcus einen Alienkopf zum Platzen bringt und wollen mir fünf Sekunden später verkaufen, das Lines wie "Danke für deine Hilfe, Dom'. Alleine hätte ich's nicht gepackt!" der Zenit menschlicher Sinnsuche sind. Das ist komplett albern, sorry. Nochmal: Es ist nicht so, dass ich nicht finde, dass das Spiel super geil aussieht. Denn das tut es. Ich bin mir auch sicher, dass es sehr gut wird. Mich frustriert einfach das deplatzierte Marketing. Know your game, know your audience.

Wie man so etwas richtig macht, also den Geist der Vergangenheit selbstbewusst und authentisch in die Gegenwart zu tragen, zeigt keine Ankündigung besser, als die von Crazy Taxi World Tour.

Crazy Taxi ist ein absolutes Kultgame mit mehr Ports und Neuauflagen, als jeder von uns zählen kann. Ein Franchise, das lange schlafend lag, aber jetzt für eine neue Generation von Spielern und nostalgische Veteranen neu aufgelegt wird.

Gott sei Dank hat sich da keiner hingestellt und gesagt: "Das, was Crazy Taxi ausmacht, ist die realistische Fahrphysik und das tief befriedigende Gefühl, einen Fahrgast rechtzeitig an sein Ziel gebracht zu haben. Denn wer weiß schon, was er oder sie an dem Tag schon alles durchgemacht hat. Und hier, seht mal, wie viele dynamische Armhaare unsere Fahrer haben."

Nein! Fuck all that!

Gezeigt wurden stattdessen ein dreamcastgetreuer, fast Disney Pixar ähnlicher Artstyle, fliegende Taxis, Feuerbooster, verrückte Stunts, zur Seite springende Passanten, absolutes Chaos, alles ikonisch untermalt von The Offspring's "All I Want." (YaYaYaYaYa🥰🎤🎶🎶🚕)

Perfektion. Ich mein's ernst.

Wahrscheinlich einer meiner Lieblingstrailer der letzten Jahre. Nicht, weil Crazy Taxi das beste Spiel ist, was beim Summer Game Fest gezeigt wurde. Es war nicht einmal das beste Spiel des Xbox Showcase gestern. Aber ist so wunderbar zu sehen, wenn ein Spiel genau das ist und sein will, was seine Fans an ihm lieben.

Wir sind oft umgeben von einem Ozean von Games, die uns bedeutsame, tiefgehende oder auch wahnsinnig aufwühlende Stories erzählen oder uns durch ihr Gameplay fordern und fördern wollen. Das möchte ich nicht missen, keine Sekunde lang. Aber es ist so wichtig, sich zwischendurch immer mal wieder Spielen hinzugeben, die genau eines wollen: Spaß machen! Kopf ausmachen, ein bisschen daddeln, viel lachen, ab und zu schreien oder laut mitsingen. Manchmal ist das "all I want."

Matt in the Sky(rim) with Diamonds

Im Jahre 1990 geboren worden zu sein, habe ich erst in meinen Mittdreißigern so richtig zu schätzen gelernt.

Vielleicht ist es die große Vier, die immer näher kommt; vielleicht ist es die Verzweiflung an der Lage unserer Welt. Vielleicht sind es die grauen Haare, die gestern noch das Licht waren, das "irgendwie voll komisch auf meinen Kopf fällt." Aber ja... mit 36 Jahren kann ich nostalgiegetränkt deklarieren: Ich bin froh, ein Millenial zu sein.

Ich wuchs in den 90ern und frühen 2000ern auf. Das war früh genug, um eine analoge Welt kennen zu lernen, voller Fußballmatches im Garten, Fangen spielen auf dem Spielplatz um die Ecke, schaukeln bis zur Höhenangst und Erdbeerraub auf dem Grundstück der Nachbarn, die eh fast nie zu Hause waren.

Zum Einschlafen hörte ich Kassetten; bei Oma gab es Schallplatten und die alten Asterixbände im ehemaligen Kinderzimmer meines Vaters. Lieblingssongs wurden mit anderen, leeren Kassetten aus dem Radio mitgeschnitten, Videos mussten nach dem Abspann zurückgespult werden. Musikalisch begleitet wurde alles von den "70ern, 80ern und dem Besten von heute", von den Eltern noch Stones, Beatles und deutsche Liedermacher der 60er mitbekommen. Flohmärkte am Wochenende, der Geruch von Buchseiten und Druckertinte aus dem Arbeitszimmer von Mama, Faxgeräte, Disc-Man... You get the Gist.

Dann, im Sommer 1999, der Paukenschlag. Das Internet. Auf dem grauen Laptop von Papa. Das kleine Mistding, das einem kleine Elektroschocks gab, wenn man auf ihm tippte, während er am Ladegerät hing. "Oh mein Gott! Wir haben Internet!" ist ein Satz, den ich als Neunjähriger tatsächlich laut gesagt habe. Keine vier Jahre später wurde daraus "Warum haben wir schon wieder kein Internet?!", wenn das Modem mal wieder nicht so wollte, wie ich.

Nicht ohne Internet aufgewachsen, nicht mit Internet aufgewachsen. Ins Internet hineingewachsen zu sein, ist die wunderbar einzigartige Position von uns Millenials.

Untrennbar mit dem Erfolg des Internets verbunden ist eine völlig neue Dimension des Begriffs Popkultur. Trends, Meinungen, Bilder und Videos. News Stories, Skandale und Verschwörungstheorien, alles verbreitete sich schneller als je zuvor. Der Beginn von Social Media, die Geburtsstunde von Youtube, die ersten Podcasts. Der Start des digitalen Zeitalters war nichts Geringeres als eine zweite industrielle Revolution. In der Dualität...und manchmal auch Dichotomie dieses prä- und post Worldwideweb Aufstiegs aufgewachsen zu sein, empfinde ich heute als großes Privileg.

Die wohl größte popkulturelle Errungenschaft meiner Generation, die unmittelbar dem Fahrwasser ebenjenes Erfolges des World Wide Webs entsprang, ist ohne den geringsten Zweifel das, was ich den Siegeszug des Nerds nennen möchte. Wurde ich selbst als Kind und Jugendlicher noch als Freak, Vierauge, Loser, Bücherwurm und Geek verspottet, ist heute-und wenn man ehrlich ist schon seit 10, 15 Jahren- jeder von uns stolzer Nerd für irgendwas oder irgendjemanden. Strange ist das neue cool; kauzig sind wir alle irgendwie und wir feiern es. Der Präsident der Schach AG spielt am Wochenende Dungeons and Dragons mit der Ballkönigin und der Sportskanone und zwei Mal im Jahr treffen sich die drei auf der Comic Con. Was für früher Nische war, wurde dezentralisiert und ist heute für jedermann deutlich partizipierbarer. Und während früher Promis wie Ralf Möller bei der Promo zum Film Far Cry Fragen über das Videospiel dahinter weglachten oder stolz verkündeten "Also...ich kenn nur Tetris", reißt heute Henry Cavill beim Interview über die neuste Season von The Witcher einen authentischen Rant über seine letzte Warhammer 40k Kampagne ab, als hätte ihn jemand gebeten, seine schönste Lebenserinnerung zu beschreiben. And I think that's beautiful 😍.

Ein zentrales Element der Popkultur, des digitalen und kollektiven Gedächtnisses, sind Memes. Einst von Richard Dawkins als prägnant verpackte kulturelle Ideen, die sich wie Gene verbreiten definiert, gelten sie heute als als absolute Säule des Internetdiskurses, egal in welchem Themenbereich. Das geht soweit, dass das Internet selbst sagt: Ein Ereignis, egal ob politische Rede, Fußballspiel, Preisverleihung, Film, Serie oder gestrandeter Wal; alles gilt oft erst dann als vollständig im Mainstream angekommen, wenn es Memes dazu gibt. Digitale Insiderjokes, die sofort das Eis brechen und am Beginn von Diskussionen ein gemeinsames Vorwissen generieren und garantieren sollen. Memes als moderne Form der Karikatur oder des satirischen Pamphlets.

Nach knapp 600 Wörtern der prosaischen Einleitung kommen wir endlich zum Thema meines heutigen Essays. Denn auch wenn der Begriff "Meme" schon Jahrzehnte zuvor benutzt wurde, sind Memes, wie wir sei heute kennen und verwenden definitiv ein Kind der späten 2000er und frühen 2010er. Und im Videospiel-Geäst des Popkulturbaums gibt es drei Memes, die jeder Millenial kennt. World of Warcrafts "Lerooooy Jenkins", "The Cake is a Lie" von Portal und "I used to be X, but then I took an arrow to the knee" aus The Elder Scrolls V: Skyrim

Skyrim erschien am ikonischen Datum 11.11.11. Das in sich selbst ist eigentlich auch schon ein Meme, stellt jedoch gleichzeitig nur eine Fußnote in der Meme Galaxy dieses wunderbaren Spiels dar. In meinem Freundeskreis sage ich gerne "Skyrim ist ewig" und darin steckt viel Wahrheit.

Der fünfte Ableger des Elder Scrolls Franchise erscheint uns nicht nur ewig ob seiner gefühlt hunderten von Quests, riesigen Welt und ozeantiefen Lore; Entwickler Bethesda beweist eine bemerkenswerte Ausdauer, wenn es darum geht den Titel durch Re-releases und Neuauflagen am Leben zu erhalten. Während ich das hier schreibe, arbeitet Todd Howard mit Sicherheit schon an einer Game Boy Advance Version des modernen RPG Klassikers in Tamriels nördlichster Provinz. Aber auch erst dann, wenn er ein Quicksave vor dem Alduin Kampf auf seinem Kühlschrank gemacht hat. (Save scamming is wrong, kids).

Ohne Übertreibung erwartet man als Millenial auch im Jahre 2026 noch unironisch, dass, wann immer eine neue Gaming Plattform erscheint, eine korrespondierende Version von Skyrim mit präsentiert wird. Das führt dazu, dass die eigene Timeline im Vorfeld solcher Events nicht selten mit Skyrim Memes geflutet wird, die genau das zum Thema haben. Was wiederum dazu führt, dass man sich Skyrim Videos anschaut. Was wiederum dazu führt, dass man oft noch am selben Abend, spätestens aber 2-3 Tage später einen neuen Skyrim Run beginnt. Its the Ciiiiiiiiiiiircle of Life....

Das kann man belächeln, sollte man vielleicht auch. Aber es darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Skyrim einfach ein absolutes Ausnahmespiel ist. Das gilt für uns Millenials umso mehr, die wir zwischen 16 und 28 Jahre alt waren, als es erschien. Als wir zum ersten Mal Alduins Ruf fürchteten, als wir zum ersten Mal Ragnar the Red in der Taverne von Riverwood hörten. Eine prägende Phase unseres Lebens war es, in der das Spiel nicht nur durch die Popkultur lebte, es wurde zur Kultur selbst. Diese Langlebigkeit steht für seine herausragende Qualität. Die zahlreichen Neuauflagen auf immer neuen Systemen, die Millionen von Fan Modifikationen und Erweiterungen zeigen das und sorgten dafür, dass Skyrim einfach immer irgendwie da war.

Ich selbst habe Erinnerungen daran, wie ich es als 21 jähriger junger Student in meiner 28 Quadratmeter Wohnung über einem ranzigen Schnellsupermarkt zocke, aber auch als 36 jähriger alter Sack mit mehr Rechnungen als Haaren auf dem Kopf. Egal, ob damals die Launch-Version auf PS3, bei der man lange keine Wasserflächen betreten durfte, wenn man an seinem Savegame hing oder über zehn Jahre später die PS5 Version, die nahezu keine Ladezeiten mehr, aber trotzdem noch ordentlich jank besitzt.

New Age, new me? Vielleicht... aber definitiv stets das gute alte Skyrim.

So wie mir wird es vielen Millenials gehen. Skyrim wirkt wie eine Schweifklammer um den gesamten Hobbyblock "Geek Culture" herum. Egal welche anderen Spiele, egal welche Serien oder Filme, egal welche Bücher oder Graphic Novels ich im Laufe meines Lebens konsumiert und in meinem Kopf oder in Diskussionen mit Freunden in Ranglisten sortiert habe. Ein Stück weit schwebte Skyrim immer über allem. Es ist auf unvergleichliche Weise in die Textur meines Lebens eingewoben. Und selbst wenn meine hypothetischen Enkel es im Jahre 2061 noch auf der PS10 spielen sollten...Den tatsächlichen Fußabdruck von Skyrim kann man, so glaube ich, wirklich nur erfassen, wenn man das Glück hat, Millenial und von Anfang an dabei gewesen zu sein.

Es kann und darf uns nicht überraschen, dass die lange Wartezeit auf The Elder Scrolls VI mittlerweile selbst Meme Charakter besitzt und somit diese stolze Tradition fortzusetzen verspricht.

Ich? Ich bin Maul... Ich bewache die Stra... kleiner Spaß. Ich? Ich brauche überhaupt kein Elder Scrolls VI, nay, ich will es gar nicht haben. Denn während ich her zum Ende komme, juckt es mich schon wieder in den Fingern. Seelensteine müssen gefüllt, Stahldolche geschmiedet, Banditen Camps gecleart und Drachenseelen geschmaust werden. Tu nicht so, Leser dieser Zeilen. Du spürst es doch auch. Vergiss nicht, was die Graubärte einst in den Mauern von High Hrothgar niederschrieben:

Keizaal los unslaat, dii fahdon- Skyrim ist ewig, mein Freund.