Matt in the Sky(rim) with Diamonds
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Im Jahre 1990 geboren worden zu sein, habe ich erst in meinen Mittdreißigern so richtig zu schätzen gelernt.
Vielleicht ist es die große Vier, die immer näher kommt; vielleicht ist es die Verzweiflung an der Lage unserer Welt. Vielleicht sind es die grauen Haare, die gestern noch das Licht waren, das "irgendwie voll komisch auf meinen Kopf fällt." Aber ja... mit 36 Jahren kann ich nostalgiegetränkt deklarieren: Ich bin froh, ein Millenial zu sein.
Ich wuchs in den 90ern und frühen 2000ern auf. Das war früh genug, um eine analoge Welt kennen zu lernen, voller Fußballmatches im Garten, Fangen spielen auf dem Spielplatz um die Ecke, schaukeln bis zur Höhenangst und Erdbeerraub auf dem Grundstück der Nachbarn, die eh fast nie zu Hause waren.
Zum Einschlafen hörte ich Kassetten; bei Oma gab es Schallplatten und die alten Asterixbände im ehemaligen Kinderzimmer meines Vaters. Lieblingssongs wurden mit anderen, leeren Kassetten aus dem Radio mitgeschnitten, Videos mussten nach dem Abspann zurückgespult werden. Musikalisch begleitet wurde alles von den "70ern, 80ern und dem Besten von heute", von den Eltern noch Stones, Beatles und deutsche Liedermacher der 60er mitbekommen. Flohmärkte am Wochenende, der Geruch von Buchseiten und Druckertinte aus dem Arbeitszimmer von Mama, Faxgeräte, Disc-Man... You get the Gist.
Dann, im Sommer 1999, der Paukenschlag. Das Internet. Auf dem grauen Laptop von Papa. Das kleine Mistding, das einem kleine Elektroschocks gab, wenn man auf ihm tippte, während er am Ladegerät hing. "Oh mein Gott! Wir haben Internet!" ist ein Satz, den ich als Neunjähriger tatsächlich laut gesagt habe. Keine vier Jahre später wurde daraus "Warum haben wir schon wieder kein Internet?!", wenn das Modem mal wieder nicht so wollte, wie ich.
Nicht ohne Internet aufgewachsen, nicht mit Internet aufgewachsen. Ins Internet hineingewachsen zu sein, ist die wunderbar einzigartige Position von uns Millenials.
Untrennbar mit dem Erfolg des Internets verbunden ist eine völlig neue Dimension des Begriffs Popkultur. Trends, Meinungen, Bilder und Videos. News Stories, Skandale und Verschwörungstheorien, alles verbreitete sich schneller als je zuvor. Der Beginn von Social Media, die Geburtsstunde von Youtube, die ersten Podcasts. Der Start des digitalen Zeitalters war nichts Geringeres als eine zweite industrielle Revolution. In der Dualität...und manchmal auch Dichotomie dieses prä- und post Worldwideweb Aufstiegs aufgewachsen zu sein, empfinde ich heute als großes Privileg.
Die wohl größte popkulturelle Errungenschaft meiner Generation, die unmittelbar dem Fahrwasser ebenjenes Erfolges des World Wide Webs entsprang, ist ohne den geringsten Zweifel das, was ich den Siegeszug des Nerds nennen möchte. Wurde ich selbst als Kind und Jugendlicher noch als Freak, Vierauge, Loser, Bücherwurm und Geek verspottet, ist heute-und wenn man ehrlich ist schon seit 10, 15 Jahren- jeder von uns stolzer Nerd für irgendwas oder irgendjemanden. Strange ist das neue cool; kauzig sind wir alle irgendwie und wir feiern es. Der Präsident der Schach AG spielt am Wochenende Dungeons and Dragons mit der Ballkönigin und der Sportskanone und zwei Mal im Jahr treffen sich die drei auf der Comic Con. Was für früher Nische war, wurde dezentralisiert und ist heute für jedermann deutlich partizipierbarer. Und während früher Promis wie Ralf Möller bei der Promo zum Film Far Cry Fragen über das Videospiel dahinter weglachten oder stolz verkündeten "Also...ich kenn nur Tetris", reißt heute Henry Cavill beim Interview über die neuste Season von The Witcher einen authentischen Rant über seine letzte Warhammer 40k Kampagne ab, als hätte ihn jemand gebeten, seine schönste Lebenserinnerung zu beschreiben. And I think that's beautiful 😍.
Ein zentrales Element der Popkultur, des digitalen und kollektiven Gedächtnisses, sind Memes. Einst von Richard Dawkins als prägnant verpackte kulturelle Ideen, die sich wie Gene verbreiten definiert, gelten sie heute als als absolute Säule des Internetdiskurses, egal in welchem Themenbereich. Das geht soweit, dass das Internet selbst sagt: Ein Ereignis, egal ob politische Rede, Fußballspiel, Preisverleihung, Film, Serie oder gestrandeter Wal; alles gilt oft erst dann als vollständig im Mainstream angekommen, wenn es Memes dazu gibt. Digitale Insiderjokes, die sofort das Eis brechen und am Beginn von Diskussionen ein gemeinsames Vorwissen generieren und garantieren sollen. Memes als moderne Form der Karikatur oder des satirischen Pamphlets.
Nach knapp 600 Wörtern der prosaischen Einleitung kommen wir endlich zum Thema meines heutigen Essays. Denn auch wenn der Begriff "Meme" schon Jahrzehnte zuvor benutzt wurde, sind Memes, wie wir sei heute kennen und verwenden definitiv ein Kind der späten 2000er und frühen 2010er. Und im Videospiel-Geäst des Popkulturbaums gibt es drei Memes, die jeder Millenial kennt. World of Warcrafts "Lerooooy Jenkins", "The Cake is a Lie" von Portal und "I used to be X, but then I took an arrow to the knee" aus The Elder Scrolls V: Skyrim
Skyrim erschien am ikonischen Datum 11.11.11. Das in sich selbst ist eigentlich auch schon ein Meme, stellt jedoch gleichzeitig nur eine Fußnote in der Meme Galaxy dieses wunderbaren Spiels dar. In meinem Freundeskreis sage ich gerne "Skyrim ist ewig" und darin steckt viel Wahrheit.
Der fünfte Ableger des Elder Scrolls Franchise erscheint uns nicht nur ewig ob seiner gefühlt hunderten von Quests, riesigen Welt und ozeantiefen Lore; Entwickler Bethesda beweist eine bemerkenswerte Ausdauer, wenn es darum geht den Titel durch Re-releases und Neuauflagen am Leben zu erhalten. Während ich das hier schreibe, arbeitet Todd Howard mit Sicherheit schon an einer Game Boy Advance Version des modernen RPG Klassikers in Tamriels nördlichster Provinz. Aber auch erst dann, wenn er ein Quicksave vor dem Alduin Kampf auf seinem Kühlschrank gemacht hat. (Save scamming is wrong, kids).
Ohne Übertreibung erwartet man als Millenial auch im Jahre 2026 noch unironisch, dass, wann immer eine neue Gaming Plattform erscheint, eine korrespondierende Version von Skyrim mit präsentiert wird. Das führt dazu, dass die eigene Timeline im Vorfeld solcher Events nicht selten mit Skyrim Memes geflutet wird, die genau das zum Thema haben. Was wiederum dazu führt, dass man sich Skyrim Videos anschaut. Was wiederum dazu führt, dass man oft noch am selben Abend, spätestens aber 2-3 Tage später einen neuen Skyrim Run beginnt. Its the Ciiiiiiiiiiiircle of Life....
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Das kann man belächeln, sollte man vielleicht auch. Aber es darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Skyrim einfach ein absolutes Ausnahmespiel ist. Das gilt für uns Millenials umso mehr, die wir zwischen 16 und 28 Jahre alt waren, als es erschien. Als wir zum ersten Mal Alduins Ruf fürchteten, als wir zum ersten Mal Ragnar the Red in der Taverne von Riverwood hörten. Eine prägende Phase unseres Lebens war es, in der das Spiel nicht nur durch die Popkultur lebte, es wurde zur Kultur selbst. Diese Langlebigkeit steht für seine herausragende Qualität. Die zahlreichen Neuauflagen auf immer neuen Systemen, die Millionen von Fan Modifikationen und Erweiterungen zeigen das und sorgten dafür, dass Skyrim einfach immer irgendwie da war.
Ich selbst habe Erinnerungen daran, wie ich es als 21 jähriger junger Student in meiner 28 Quadratmeter Wohnung über einem ranzigen Schnellsupermarkt zocke, aber auch als 36 jähriger alter Sack mit mehr Rechnungen als Haaren auf dem Kopf. Egal, ob damals die Launch-Version auf PS3, bei der man lange keine Wasserflächen betreten durfte, wenn man an seinem Savegame hing oder über zehn Jahre später die PS5 Version, die nahezu keine Ladezeiten mehr, aber trotzdem noch ordentlich jank besitzt.
New Age, new me? Vielleicht... aber definitiv stets das gute alte Skyrim.
So wie mir wird es vielen Millenials gehen. Skyrim wirkt wie eine Schweifklammer um den gesamten Hobbyblock "Geek Culture" herum. Egal welche anderen Spiele, egal welche Serien oder Filme, egal welche Bücher oder Graphic Novels ich im Laufe meines Lebens konsumiert und in meinem Kopf oder in Diskussionen mit Freunden in Ranglisten sortiert habe. Ein Stück weit schwebte Skyrim immer über allem. Es ist auf unvergleichliche Weise in die Textur meines Lebens eingewoben. Und selbst wenn meine hypothetischen Enkel es im Jahre 2061 noch auf der PS10 spielen sollten...Den tatsächlichen Fußabdruck von Skyrim kann man, so glaube ich, wirklich nur erfassen, wenn man das Glück hat, Millenial und von Anfang an dabei gewesen zu sein.
Es kann und darf uns nicht überraschen, dass die lange Wartezeit auf The Elder Scrolls VI mittlerweile selbst Meme Charakter besitzt und somit diese stolze Tradition fortzusetzen verspricht.
Ich? Ich bin Maul... Ich bewache die Stra... kleiner Spaß. Ich? Ich brauche überhaupt kein Elder Scrolls VI, nay, ich will es gar nicht haben. Denn während ich her zum Ende komme, juckt es mich schon wieder in den Fingern. Seelensteine müssen gefüllt, Stahldolche geschmiedet, Banditen Camps gecleart und Drachenseelen geschmaust werden. Tu nicht so, Leser dieser Zeilen. Du spürst es doch auch. Vergiss nicht, was die Graubärte einst in den Mauern von High Hrothgar niederschrieben:
Keizaal los unslaat, dii fahdon- Skyrim ist ewig, mein Freund.