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Assassin's Creed Odyssey: "(Warum) unterhalte ich euch nicht?!"

29. Dezember 2018 - Lesezeit: 9 Minuten

Meine von mir selbst gesetzte Frist über meine Spieleerfahrungen von 2018 zu schreiben ist lange abgelaufen. Das Wunderbare an selbst gesetzten Fristen ist allerdings, dass sie, namens Omen, von niemandem kontrolliert und eingehalten werden müssten, außer von mir selbst. Es ist Weihnachten. Und mein Geschenk an mich selbst ist eine großzügige Aufhebung der Frist und die Erkenntnis, dass ich hier auf meinem Blog keinen Terminstress brauche. Spiele laufen nicht weg (ich schiele auf dich Octopath Traveler) und nichts hindert mich daran auch weit ins Jahr 2019 hinein über die Spiele von 2018 zu schreiben. Außer vielleicht, ihr habt es erraten, ich selbst.

Ich werde die von mir im Jahre 2018 gespielten Spiele ohne eine abschließende Sterne-oder Prozentrechnung vorstellen und sie statt nach einer bestimmten Werterangordnung, langweilig preußisch korrekt nach alphabetischer Reihenfolge ordnen. Legen wir also los =D

Assassins Creed Odyssey ist in der Zeit nach seiner Präsentation bei der E3 2018 und seinem Erscheinen im Oktober etwa zu gleichen Teilen verflucht und himmelhochjauchzend gelobt worden. Zu Beginn war ich super abgeturnt von Origins 1.5. Einem Reskin eines von mir erst drei Monate zuvor abgeschlossenen Vorgängers, dem ich etwa 120 Stunden meines Lebens gewidmet hatte. Ich erkannte viele der Animationen, Art-Assets und das gesamte UI unverändert aus dem Vorgänger wieder und störte mich sehr an dem Gedanken, ein 60€ DLC anstelle eines echten Nachfolgers zu spielen. Auch die Prämisse eines Assassin's Creed, das 400 Jahre vor der Gründung des namensgebenden Ordens spielte und, zumindest dachte ich das damals, nicht einmal Teil des Canons sei, irritierte.

Aber am Ende des Tages war es dann eben doch Assassins Creed. Eine Serie, die ich seit dem ersten Teil aus dem Jahre 2007 verfolge und aus der ich jeden einzelnen... Oh warte! Mir ist irgendwie, als hätte ich vor Monaten eine Retrospektive über die Serie begonnen, die nie über ein pathetisches Intro hinausgekommen ist. Neeeein, kann nicht sein ;)

Als waschechter Fanboy sicherte der Name Assassins Creed aber wenigstens mein passives Interesse an dem Spiel und ich denke so ging es vielen. Bei der Gamescom Präsentation wurde aus dem Interesse schließlich mehr. Das Gameplay wurde etwas näher beleuchtet, die Welt zeigte sich wesentlich abwechslungsreicher als die endlose Wüste des Vorgängers und auch die Protagonisten bekamen mehr Beachtung. Ich mochte plötzlich dem Gedanken eines Spin off Titels, der ganz ohne Kredo und nicht zuletzt auch durch die Kämpfe gegen Medusa, Minotaurus und Co eine nette Abwechslung zu den (mehr oder weniger) realistischen Settings sonstiger Ableger darstellen könnte. Nachdem ich in den Folgewochen unzählige Interviews, Videos und Artikel über das Spiel konsumiert hatte und schließlich auch erste Previews eintrudelten, war das Hypemonster in meinem Inneren geweckt. Der 5. Oktober konnte gar nicht schnell genug kommen.

Die Tests im Vorfeld des Releases gaben meinem neuen Enthusiasmus mehr Nahrung. Es hagelte Neunen von fast sämtlichen größeren Outlets (Metacritic: 87) und das Spiel wurde universell gelobt. Am 6. Oktober, passenderweise einem Samstagmorgen, erhielt ich mein Exemplar. Knapp 3 Monate und 138 Spielstunden später habe ich eine Menge zu dem Spiel zu sagen. Und keiner ist am Ende überraschter als ich selbst. Es folgen einige Spoiler, sorry =D

Fangen wir mit den positiven Aspekten an. Odyssey sieht besser aus spielt sich auch besser, als alle seine Vorgänger. Die Animationen sind flüssig, das Stealth funktioniert sehr gut, der Schnellauswahl-Zugriff auf die verschiedenen Skills ist essentiell und sollte für Spiele dieser Art auf der Konsole Standard werden. Die Welt ist, ich übertreibe nicht, lächerlich groß. Es gibt Teilregionen, die größer und detaillierter wirken als das gesamte Areal vorheriger Titel. Mehr dazu später. Kassandra als Protagonistin ist großartig vertont und (sicherlich auch abhängig von den Entscheidungen des Spielers) ein hochinteressanter und facettenreicher Charakter. Es gibt so viele Quests, dass man sich an ein MMO erinnert fühlt und nur in absoluten Ausnahmefällen sind es langweilige Fetchquests. Die Story ist zwar in mancherlei Hinsicht blass bis lächerlich albern (Episch-Kitschige Historienmomente sucht man komplett vergebens, crazy Verschwörungsmomente gibts dafür dieses Mal zu viele), aber für die Metaebene auch sehr wichtig. Erst Vorgestern, lange nachdem ich die Story beendet hatte, wurde mir klar, dass AC Odyssey die Entstehungsgeschichte des Templerordens beinhaltet. Sie heißen natürlich noch nicht so, tun sie ja noch nicht einmal in Origins 400 Jahre später. Aber nachdem man den Kult des Kosmos zerschlagen hat und sich die Anführerin offenbart, gibt es keine Zweifel mehr. Sie bedankt sich für die Zerstörung des Kultes, da er von innen korrumpiert war und möchte einen neuen Orden aufbauen. Einen Orden, der Ordnung in die von Krieg zerstörte Welt bringt. Einen Orden, der von Menschen für Menschen gemacht ist, Religion nur als Kontrollinstrument zulässt und keine demokratischen Elemente, sondern einen weisen Anführer braucht.

Jetzt fragt man sich an dieser Stelle natürlich eine Sache: "Matti, du hast ein Assassin's Creed mit gigantischer Welt, teils tollen Charakteren, spaßigem Kampfsystem und einer, wenn auch manchmal unfreiwillig, unterhaltsamen Geschichte. Warum liebst du es nicht total? Warum ist es nicht dein Lieblingsteil der Reihe? Was hast du geraucht, Dude?"

->Seit dem 29.1.2014 gar nichts, danke der Nachfrage, Arschloch!

Das nicht alles Gold ist, was glänzt ist nicht nur eine alte Kalenderweißheit, es ist manchmal eine schmerzhafte Wahrheit. Odyssey macht fast alles gut. Manches sogar sehr gut. Aber eben nichts wirklich Herausragendes.

  • Die Spielewelt ist riesig, ja. Aber sie wirkt auch hoffnungslos aufgebläht und zerstört jegliches Gefühl des Vorrankommens.
  • Die Grafik ist hübsch, aber es gibt definitiv hübschere Spiele
  • Das Kämpfen ist schnell und flüssig, aber bei weitem nicht so präzise und zufriedenstellend wie beispielsweise in Souls
  • Die Kämpfe zu Wasser machen Spaß, es gibt aber im Vergleich zu Black Flag und Rogue überhaupt keine Neuerungen
  • Das Rekrutieren von Mannschaftsmitgliedern ist eine nette Idee, hat aber fast keine Auswirkungen auf das Gameplay
  • Auch wenn eine Handvoll Charaktere durchaus sympathisch sind, fehlen ihnen einprägsame Momente innerhalb der Geschichte.

Etwas, das Assassins Creed immer ausgezeichnet hat, waren seine toll inszenierten historischen Schauplätze und selbstverständlich die namensgebenden Attentatsmissionen. Unvergessen ist etwa die Renaissance- Bromance zwischen Ezio und Leonardo Da Vinci, dessen (de facto real existierende Erfindungen) die Arbeit des jungen Assassinen vereinfachten. Gleiches gilt für die Ermordung Cäsars im Senat in Origins oder die Teilnahme an der Hinrichtung Ludwig XVI, dem gescheiterten Revolutionskönig, in Unity. Nicht selten habe ich im Vorfeld zum neusten Release der Serie begonnen, mich ein wenig in die jeweilige Zeitepoche einzuarbeiten, ein Gefühl zu bekommen für die Denke und Probleme der jeweiligen Kulisse. Sogar Hausarbeiten und Referate innerhalb meines Geschichtsstudiums gehen indirekt auf Assassin's Creed Spiele zurück; einfach weil ich ein starkes Interesse für die entsprechenden Geschichtskapitel entwickelt hatte. Somit haben die AC Titel in meiner Lebenswelt immer eine doppelte Funktion eingenommen. Sie haben mich unterhalten und indirekt auch zu meiner Fortbildung beigetragen.

Fairerweise muss man sagen, dass es auch in Odyssey eine Vielzahl historischer Persönlichkeiten gibt, unter ihnen Sokrates, Hippokrates, Aspasia, Pythagoras und Leonidas. Was fehlt sind aber die besonderen Momente mit jedem von ihnen. Einprägsame Quests wie zum Beispiel das Beschaffen von Leichen für Leonardos Anatomiestudien, oder das Nachgehen scheinbar unerklärbarer Phänomene, um Charles Dickens neue Inspiration für zukünftige Werke zu liefern. Für die Story wirklich wichtig ist in AC Odyssey (fast) kein historischer Akteur und wenn, dann wirkt es unglaublich forciert und banal.

Attentate gibt es in Odyssey überhaupt nicht. Kein einziges. Sicher, man muss auch hier per Schwertkampf den ein oder anderen Bösewicht ausschalten und sich im Vorfeld mit seinen Schergen herumschlagen, aber Attentäter ist man dabei kein einziges Mal. Man muss nicht schleichen, man braucht keine Ablenkungsmanöver, es ist nicht nötig, vor einer Mission ein Areal auszukundschaften, wie es etwa die Blackbox Missionen in Unity verlangten oder Spiele wie Dishonored

Die Folge von alledem ist, dass Assassins Creed seinen Gameplaykern, sein Alleinstellungsmerkmal verloren hat. Es spielt sich gut, ja. Und es braucht den Vergleich mit Horizon, Witcher 3 und Co nicht zu scheuen. Aber kann das der Anspruch sein? Anstatt weiter an alten Stärken zu arbeiten und Schwächen abzubauen einfach mehr oder minder 1:1 einen Gamedesign Klon namenhafter Platzhirsche abzuliefern? Ich sage nein. Als Tausendsassa wird Odyssey aufgerieben und wirkt ausgemergelt. Ich glaube, das Spiel hätte viel besser funktioniert, wenn man sich beispielsweise was den Schauplatz angeht, nur auf Athen, respektive die Region Attika beschränkt hätte und dafür viel mehr ins Detail gegangen wäre. Wenn die Persönlichkeiten aus der Geschichte einem mit sinnvollen Ratschlägen und/oder Equipment helfen würden oder zumindest Questreihen böten, die einzigartig sind und im Gedächtnis bleiben.

Zusammenfassend kann ich festhalten, ja, AC Odyssey ist ein gutes Action-RPG mit riesiger Spielewelt und toller Protagonistin. Man kann hier eine unterhaltsame Zeit erleben und sich halbe Nächte um die Ohren schlagen, wenn man denn gewillt ist auch das letzte "?" aufzudecken. Aber bietet einem Odyssey etwas, was man nirgends sonst finden kann? Macht es Dinge am Ende des Tages besser, als andere Spiele des Genres? Nein!

Für mich ergab sich daraus unter dem Strich eine fast schon schizophrene Spieleerfahrung. Ich hatte sehr viel Spaß mit Odyssey und bereue nicht wirklich, es gespielt zu haben. Gleichzeitig sind mir unglaublich viele Schwachpunkte an dem Spiel aufgefallen, bei denen ich nicht sicher sein kann ob und inwieweit ich sie zukünftigen Teilen verzeihen möchte. Back to the roots lautet daher zum Schluss mein Ratschlag an Ubisoft. Modernisiert und erweitert das ursprüngliche Konzept von Assassin's Creed, anstatt Open World RPG Nr. 200000045 zu entwickeln.


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Game of the Year Watch 2018: Intro

18. November 2018 - Lesezeit: 2 Minuten

Der Blick auf den dünner werdenden Kalender, das Bedürfnis einen Schal und an manchen Tagen vielleicht sogar zusätzlich eine Mütze zu tragen und nicht zuletzt der rasant ansteigende Gaszähler im Flur können nicht irren: Das Jahr 2018 neigt sich seinem Ende zu.

Man könnte an dieser Stelle nun so einiges Schreiben über eben dieses Jahr 2018. Über chaotische Regierungsverhältnisse und sportliches Versagen im Land des (Ex)- Weltmeisters, über eine sächsische Großstadt, die feiert like it‘s 1938, über Energiekrisen, über Waldbrände oder orangefarbenen Moguls, die gerne mit dem Regierungsbaukasten spielen wollten und so weiter und so weiter. Mein Interesse, mich über all diese Dinge auszulassen, hält sich in Maaßen (ja, war Absicht), das können andere Menschen sehr viel besser und fachlich kompetenter als ich.

Auf die schönste Nebensache der Welt, den Fußball, kann ich mich ja nun dieses Jahr auch nicht gerade stürzen, also werden es die von mir fast noch mehr geschätzten jeux vidéo, mes amis. (shoutout to Frankreich, den Weltmeister 201... ach naja)

Und was für ein Jahr war das doch für Videospiele. Beinahe auf monatlicher Basis wurden wir mit 2-3 hochklassigen Titeln verwöhnt, aus kleinen und großen Softwareschmieden gleichermaßen. Es waren in der Tat so viele, dass ich am Ende des Jahres feststellen muss, einen beträchtlichen Teil von ihnen gar nicht erst gespielt zu haben. Monster Hunter World, Shadow of the Colossus, Far Cry 5, Dragon Ball FighterZ, Shadow of the Tomb Raider, Dragon Quest XI, Spider-Man (ich weiß, ich hasse mich auch), um nur einige zu nennen.

Nichtsdestotrotz möchte ich mich von heute an einer kleinen Auswahl an Spielen widmen, die ich dann eben doch 2018 spielen konnte und durfte und mich gedanklich über sie auslassen. Es sind insgesamt sieben Stück, der Plan lautet bis zu den am 7.12. stattfindenden Game Awards zu jedem Titel einen kleinen Essay zu präsentieren. Ein paar Worte vorweg noch: Die sieben Spiele, die zur Auswahl stehen sind nicht zwangsläufig meine Lieblingsspiel des Jahres 2018, eigentlich haben mich zwei von ihnen sogar ziemlich enttäuscht. Es sind einfach die sieben Spiele, die dieses Jahr am meisten Spuren hinterlassen haben.

Los geeeeeeht's =)