I fell in love with you, *Hard* and Soul(s)

5. September 2018 - Lesezeit: 7 Minuten

Die seit Anno 2009 laufende Souls Reihe des japanischen Entwicklerstudios FromSoftware besitzt in der Community, vorsichtig gesagt, einen ambivalenten Ruf. Solche, die diese Spiele lieben, verlieren sich im unendlich tiefen Hintergrundgeschehen, dem fordernden und teils komplexen Kampfsystem, dem orchestralen Soundtrack und dem brillanten World Building. Wieder andere haben nicht die Geduld, die Zeit oder einfach nicht die Lust, dem Spiel soviel zu geben, wie es verlangt. Denn es dauert nicht selten Ewigkeiten, bevor es die investierten Anstrengungen, wenn überhaupt, angemessen würdigt.

Ich selbst habe mich immer zu der zweiten Gruppe gezählt. Ich hatte keine Lust auf den Stress, wusste um meinen mitunter sehr kurzen Geduldsfaden und hatte genug Respekt vor meinen teils sehr heftigen emotionalen Reaktionen bei Niederlagen, um diese Art Spiel zu meiden. Nicht so ein alter Freund von mir. Seit Jahren hing er mir mit der Serie in den Ohren, schmiss mit Superlativen um sich und präsentierte sie als in jeglicher Hinsicht essenziell. Weichklopfen konnte er mich allerdings nie wirklich mit seinen Tiraden.

Im August 2016 stöberte ich dann allerdings durch den PSN Store meiner PS3 und entdeckte direkt an zweiter oder dritter Stelle Demon’s Souls für den doch arg reduzierten Preis von 4,99€. Nach kurzem Hin und Her in meinem Kopf gewann die Überzeugung …dann hast du es wenigstens einmal versucht und ich lud das Spiel herunter. Nach nicht einmal zwei Stunden konnte ich feststellen: „Ja, es ist tatsächlich nichts für mich!“

Im Oktober 2017 lag ein weiteres Jahr hinter mir und es war ein besonders forderndes und emotionales seiner Art gewesen. Der Herbst war vollständig angekommen und obwohl es meine Lieblingsjahreszeit ist und schon immer gewesen war, fühlte ich mich unzufrieden und war in eher bedrückter Stimmung. Einmal mehr stieß ich im PSN- Store auf mehrere Angebote besonders beliebter Titel. In diesem Fall sprang mich vor allem Bloodborne an. Ich wusste natürlich, dass es ein Spin Off der mir mittlerweile bekannten Souls Reihe war. In Hinblick auf den August des Vorjahres hätte ich mich fernhalten sollen. Ich wusste aber auch, dass ich seit Release des Spiels immer wieder über Stil und Artdesign ins Staunen gekommen war. Der einzige Grund für mich, es nicht zu spielen, war mein Wissen um seinen Schwierigkeitsgrad. Ich sah mir kurzentschlossen einige Videos über das Spiel an und fand jede Menge Ventile für meine finstere Stimmung vor. Also schlug ich zu. Ich überlegte es mir nicht lange. Selbst wenn es zum Schluss auf meinem virtuellen Friedhof landen würde, es war das Spiel, was ich an diesem Abend einfach haben wollte.

Nun wird es keinen überraschen, dass ich auch dieses Mal direkt im Eröffnungsareal komplett kassierte; chancenlos und geprügelt stand ich nach zwei Stunden an exakt der gleichen Kreuzung wie im August zuvor. Nur dieses Mal nahm ich den anderen Weg. An dieser Stelle wird es kitschig, ekelhaft, hochtrabend und anderweitig wiewörtig. Ich bitte trotzdem darum, durchzuhalten =)

Mit mir geschah an diesem Sonntag das, von dem ich glaube, dass es auch mit Wanderern oder Pilgern auf ihren langen, beschwerlichen Routen passiert. Man entwickelt einen Tunnelblick für die Umwelt und trivialen Gedanken und wird stattdessen vollständig auf sich selbst zurückgeworfen. Wenn man immer wieder an den gleichen Gegnern scheitert, reagiert man nur am Anfang mit Wut und Frust. Bei dem gefühlt hundertsten Versuch ist keine Wut mehr übrig. Man kennt die Bewegungen und Angriffsmuster der Monster so genau, dass sich ein Automatismus einzustellen beginnt.

Ohne es gewollt oder forciert zu haben, begann ich damit, die Monster, Dämonen und Bestien aus dem Spiel metaphorisch als meine Monster, Dämonen und Bestien zu sehen. Sie transformierten vor meinen Augen in all die Verletzungen, Ungerechtigkeiten und Verluste, die ich in meinem Leben erdulden musste. Und mehr: Ich sah auch all die Ungerechtigkeiten und Verletzungen, die ich selbst anderen Menschen angetan hatte, in ihnen. So wurde Bloodborne zu meinem virtuellen Jakobsweg, zur Softwareversion der Sisyphusarbeit. Jeder Sieg gegen eine der Kreaturen kam mir wie ein Schritt aus meiner finsteren Stimmung heraus vor, jede Niederlage wie ein verdientes Büßen für mein eigenes, falsches Verhalten in der realen Welt. Innerhalb der nächsten zwei Monate spielte ich über 150 Stunden, erkundete die Welt bis in den letzten Winkel, sammelte alle Collectibles und absolvierte auch den schwersten Geheimdungeon.

Es waren mitunter spirituelle Erfahrungen, die ich auf meiner Reise durch die Welt von Bloodborne erlebte, das kann ich ohne Übertreibung so behaupten. Große Triumphe, noch größere Niederlagen, die wiederum von noch einmal größeren Siegen abgelöst wurden, zeichneten dieses Bild genauso, wie die fantastische Spielewelt, ergreifende Musik und die zahlreichen (philosophischen) Erkenntnisse, die ich aus dem Spiel gewinnen konnte. Die Zauberformel, die einen alles, was einem Bloodborne entgegen schleudert, aushalten lässt, kann ohne Abstriche auf das Alltagsleben übertragen werden. Es klingt wie gesagt klischeehaft und abgenutzt, verliert aber nie an Bedeutung. Die Antwort auf jede Krise, jedes unlösbare Problem und eben auch jedes noch so angsteinflößende Monster ist so leicht; und doch muss man sich regelmäßig daran erinnern: Geh weiter!

Und das tat ich. Sowohl im echten Leben, als auch an der Konsole. In den Folgemonaten stellte ich mich ehrlicher und offener denn je meinen realen Problemen und finsteren Gedanken und auf der Playstation zog ich weiter durch die Welten von Dark Souls I – III und fand hier tatsächlich eine Fortsetzung der wörtlichen und metaphorischen Reise vor. Ich möchte an dieser Stelle nicht so tun, als ob Bloodborne oder andere Soulsesque Spiele tatsächlich Depressionsepisoden heilen können. Dazu gehört sehr viel mehr, als rechtzeitig auszuweichen und im perfekten Moment immer wieder R1 zu drücken oder den Lebenstrank hinunterzukippen. Aber doch kann es helfen. Für mich waren es die perfekten Spiele zu perfekten Zeit meines Lebens. Noch nie habe ich Medienkatharsis in der Praxis so unmittelbar erfahren, wie in diesen Monaten.

Git Gud! Für diese unsägliche Phrase hat die Souls Community traurige Berühmtheit erlangt. Ein arrogantes „Werde Gut!“ vom hohen Ross des Dämonenbezwingers, der jeden Neueinsteiger direkt abschmettert.

Wie besiege ich die Klerikale Bestie? – Git Gud!

Wo finde ich die Waffe XY? – Git Gud!

Wie erhöhe ich die Kapazität meine Tränke – Git Gud!

Ich bin vielleicht naiv, aber ich glaube, dass hinter dieser Floskel mehr steckt, als man zuerst denken mag. Der Ratschlag „Werde Gut!“ ist kein Smacktalk oder arrogantes Gehabe von erfahrenden Spielern. Zumindest nicht vorrangig. Vielmehr geht es tatsächlich darum, dass nichts anderes bei diesen Spielen wirklich hilft, außer gut zu werden. Die beste Ausrüstung und der höchste Charakterlevel helfen Einsteigern nicht, das Spiel zu meistern. Sie müssen seine Mechaniken verstehen, seine Welt erschließen und eigene Strategien entwickeln, um alle Bestien besiegen zu können. Nur so kann man das Meiste aus der Erfahrung herausholen. Werde gut! sollte erweitert werden zu „Werde gut, denn es lohnt sich!“ Der Einfachheit halber könnte der Rat aber auch knapp lauten: Geh weiter!


Tagebuch der 8samkeit; Zwischenupdate =): Ja, es lebt noch!

22. August 2018 - Lesezeit: 2 Minuten

Mooooin,

kurzes Update zu meinem (literarisch) kommentierten Playthrough von Octopath Traveler... Er wird fortgesetzt ;)

In den letzten drei, vier Wochen war ich einfach von zu vielen anderen Spielen abgelenkt, die uns in diesen Tagen, Monaten und Jahren am Fließband präsentiert werden. Unfassbar, wenn ich an meinen Backlog denke, unfassbar, wenn ich an die Zukunft denke.Videogames, Dudes and Gals. Nuf' said! =D

Zur Zeit bin ich speziell dem Assassin's Creed Universum wieder tief verfallen. So sehr, dass ich auch hier relativ spontan entschied, ihm in diesem meinem virtuellen Wohnzimmer eine Plattform zu geben. Auch dazu später mehr =)

Außerdem möchte ich auch endlich diesen Blog hier um einige Segmente erweitern. Z.B. um ein (un)regelmäßig aktualisiertes News Segment oder Meinungsäußerungen zu bestimmten Themen der Geek Culture und anderem. Zur Zeit ist die Gamescom und eigentlich möchte ich zu fast allem meinen Senf abgeben, was ich so höre und lese xD

Ich arbeite eifach meine Liste langsam ab.

Zuerst möchte ich meinen God of War Save File auf den New Game+ Modus vorbereiten, dann möchte ich unbedingt Yakuza weiterspielen, Hollow Knight, Dark Souls Remastered, Drak Souls 3 platinieren, meinen Roman weiter und ein letztes Mal verfeinern, bevor ich Richtung self-publishing gehe, 500 Bücher lesen und... oh, was ist das? LA Noire für die Switch für knapp 20€?!

Ach, Scheiße...