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Red Dead Roads Part 2: High Noon vor UND in Strawberry?!

26. Juli 2019 - Lesezeit: 6 Minuten

Die restliche Reise zur Wallace Station fand nahezu ereignislos statt, lediglich eine leerstehende Holzhütte gab es auf dem Weg zu besichtigen und ein violettes Schneeglöckchen zu pflücken.

Die Station selbst war von einem freundlichen Mann besetzt, im Hintergrund prasselte ein Feuer im Kamin. Per Dialogmenü "grüßte" ich den Mann und er begann, ein wenig zu plaudern. Der Kollege aus der angrenzenden Post/Kopfgeldfiliale nerve ihn sehr, außerdem störe ihn die Lage der Station. Valentine und Strawberry seien beide so weit weg, dass es schon einer kleinen Reiseanstrengung bedarf ("Junge, du weißt gar nichts" dachte ich, mit dem Gedanken kurz bei dem verwesenden Bären am Flussbett) und im Umfeld der Station selbst gebe es nichts zu tun oder zu erleben.

Ich verabschiedete mich von dem Mann, ließ bei dem anderen 20$ (irgendjemand muss mich trotz aller Bemühungen drangehängt haben) und schwang mich auf Vesemir. Neues Ziel: Strawberry!

Der Ritt ist nicht lang, es reichte jedoch um zwei weitere Zufallsevents auszulösen. Ein Mann hatte sein Pferd am Wegesrand geparkt und pflückte Kräuter, die er dann vorsichtig in seiner Satteltasche verstaute. Oben links blinkte ein Infokasten über die heilende Wirkung von Kräutern auf. Seltsam eigentlich, dass so etwas derart spät und im Postgame passiert, aber naja. Der Alte ritt bald darauf davon und ich freute mich, dass es keinen Schusswechsel oder Beleidigungen gab.

Das sollte aber nicht lange so bleiben. Ich erkannte Strawberry bereits in der Ferne, als ich einen weiteren NPC traf, der zusammenhangslos vor sich hin stammelte. Als ich auf ihn zuging und grüßte, begann er, mich wüst zu beschimpfen. Sowas muss doch nicht sein, dachte ich schnippisch, rüstete die Faust im Waffenrad aus, bereit den Tunichtgut zu vermöbeln, als es auch schon passiert war: Ich hatte vergessen, wenn ich es überhaupt je gewusst habe, dass ein Druck auf die R2 Taste ein schnelles, "aus der Hüfte feuern" auslöst. Statt eines satten Kinnhakens, kassierte der Fremde einen Schulterdurchschuss und sackte zusammen. Erschrocken und gewillt zu verhindern, dass ich erneut ein hohes Kopfgeld bezahlen muss, fesselte ich den Mann an Ort und Stelle. Mein genialer Plan: Mein versehentliches Opfer auf dem Pferderücken verstauen, noch weiter an die Stadt heranreiten und dann die Zosse wegschicken, ebenfalls ein Kurzbefehl. In meinem Kopf entwickelte sich das Ganze immer mehr zu einem Pen and Paper RPG und ich stellte mir vor, dass besorgte Bürger der Stadt den Mann unverzüglich zu einem Arzt bringen würden. Ich selbst bliebe im Hintergrund und unerkannt.

Doch schon während ich dem Fernseher ob meines genialen Vorhabens zunickte, fielen Schüsse. Gleich zwei Zeugen hatten meine Tat gesehen und, vermutlich weil ich ebenfalls Waffengewallt nutzte, feuerten wie wild auf mich. Einer der beiden Augenzeugen hatte gar eine Flinte. Auf Vesemir preschte ich den Männern entgegen und deckte sie mit Blei ein. Ohne es gewollt zu haben, traf ich eines der Pferde tödlich, was allerdings den Vorteil hatte, dass ich so in den Genuss eines unfassbaren Details kam. Das Tier begrub seinen Reiter unter sich und er schrie auf "My legs! My god damn legs!" Ich bekam eine Gänsehaut. Sekunden danach fand ich mich selbst im Dreck wieder. Der Flintenscherge hatte Vesemir einen Kopfschuss gegeben. Mein Pferd lag neben mir und wimmerte schnaubend.

Oben links blinkte erneut eine Nachricht auf, ich könne mein Pferd mit entsprechender Medizin wiederbeleben. Ich raffte mich auf und verpasste dem Täter ein paar Schüsse in die Brust. Zum Glück hatte ich die entsprechende Medizin dabei und Vesemir wurde binnen Sekunden wieder fit. Ich war allerdings so wütend (heuchlerisch, weil ich selbst eines der Pferde getötet hatte, ich weiß), dass ich mich entschied, einmal die Ragdoll Engine des Spiels auf Herz und Nieren zu prüfen. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen. Aber von dem Flintenschützen wird man nur noch einen Rumpf mit heftigen Brandwunden finden. (Jesus, Rockstar... ehrlich?! xD)

Als ich sah, dass der Mann mit der Schulterverletzung in der Zwischenzeit verblutet war und ebenfalls tot am Straßenrand lag, schnaubte ich kräftig durch.

In Strawberry angekommen verhielt ich mich deshalb absolut vorbildlich. Ich ging ruhig umher, grüßte alle Bewohner und fand sogar einen geheimen zweiten Laden unter dem General Store der Stadt. Ich weiß nicht, ob das alles der Ausgleich dafür ist, dass ich die Hauptstory des Spiels als nahezu vollständig guter Cowboy spielte, aber kurz darauf geriet ich schon wieder in Schwierigkeiten. Da dieser Eintrag aber inhaltlich schon grausam genug ist, habe ich mich entschlossen, die weiteren Ereignisse in Form eines Liedes zu erzählen. Ihr müsst euch das Ganze bitte von Uncle oder John gesungen vorstellen, Banjo auf dem Knie, Grashalm im Mund:

I greeted some folks in Strawberry

Gentleman and good soul to a tee

Things escalated rather quickly

Talked to a girl, her man accusing me

So I beat up a lad in Strawberry

Land some punches, skin hard as a tree

Knocked him down, no chance against me

Whether he was dead I really could not see

I took a break in Strawberry

Mayor was fine but then been warning me

Went for a bath and had a cup of tea

Rented a room, no need here for a key

Wanted to share a smoke in Strawberry

Soon got accused of thievery

Now I got arrested in Strawberry

10 Dollars cash, I got out trouble free