Tagebuch der 8samkeit; Zwischenupdate =): Ja, es lebt noch!

22. August 2018 - Lesezeit: 2 Minuten

Mooooin,

kurzes Update zu meinem (literarisch) kommentierten Playthrough von Octopath Traveler... Er wird fortgesetzt ;)

In den letzten drei, vier Wochen war ich einfach von zu vielen anderen Spielen abgelenkt, die uns in diesen Tagen, Monaten und Jahren am Fließband präsentiert werden. Unfassbar, wenn ich an meinen Backlog denke, unfassbar, wenn ich an die Zukunft denke.Videogames, Dudes and Gals. Nuf' said! =D

Zur Zeit bin ich speziell dem Assassin's Creed Universum wieder tief verfallen. So sehr, dass ich auch hier relativ spontan entschied, ihm in diesem meinem virtuellen Wohnzimmer eine Plattform zu geben. Auch dazu später mehr =)

Außerdem möchte ich auch endlich diesen Blog hier um einige Segmente erweitern. Z.B. um ein (un)regelmäßig aktualisiertes News Segment oder Meinungsäußerungen zu bestimmten Themen der Geek Culture und anderem. Zur Zeit ist die Gamescom und eigentlich möchte ich zu fast allem meinen Senf abgeben, was ich so höre und lese xD

Ich arbeite eifach meine Liste langsam ab.

Zuerst möchte ich meinen God of War Save File auf den New Game+ Modus vorbereiten, dann möchte ich unbedingt Yakuza weiterspielen, Hollow Knight, Dark Souls Remastered, Drak Souls 3 platinieren, meinen Roman weiter und ein letztes Mal verfeinern, bevor ich Richtung self-publishing gehe, 500 Bücher lesen und... oh, was ist das? LA Noire für die Switch für knapp 20€?!

Ach, Scheiße...


Wenn die Vergangenheit anklopft, sollte man manchmal besser nicht zuhause sein... MdG Leseprobe #1

22. Juli 2018 - Lesezeit: 6 Minuten

Das Beste an Büchern Filmen und Spielen ist, dass sie einem ermöglichen, in fremde Welten und Charaktere einzutauchen. Das gilt umso mehr, wenn die fremden Welten und Charaktere aus dem eigenen Kopf kommen =). Am heutigen Sonntag werde ich aus akuter Müdig- und Antriebslosigkeit keinen neuen Text schreiben. Stattdessen präsentiere ich euch, zu gleichen Teilen nervös und stolz, eine winzig kleine Leseprobe aus meinem ersten Roman,Die Masken der Gnade.

Viel Spaß :)

Nikolas

Es war bereits zu einer kleinen Tradition geworden, dass er an diesem Grab eine blaue Kornblume ablegte. Nikolas Twombly stand vor einem schlichten Stein, der nichts weiter preisgab als einen Namen und zwei Daten: den Tag der Geburt und den Tag des Ablebens. Keine akademischen Titel, keine pathosgetränkten Verse oder philosophischen Weisheiten waren eingraviert worden. Ein demütig erscheinendes Grab war es stattdessen. Wenn er nicht wüsste wer hier bestattet lag, er hätte es wohl ohne einen weiteren Gedanken zwischen all seinen steinernen Zwillingen ignorieren können.

Dieser erste, recht unscheinbare Eindruck vermochte allerdings nicht lange über die Tatsache hinwegzutäuschen, dass die hier zur letzten Ruhe gebettete Person das Leben vieler Menschen berührt haben musste. Davon zeugten die zahlreichen kleinen Steine, die nach jüdischem Brauch an der Ruhestätte abgelegt worden waren. Er schluckte. Einen kurzen Moment hielt Nikolas inne und sprach ein Gebet gen Himmel. Als Agnostiker lagen ihm derartige Riten normalerweise fern, aber der hier beigesetzte Mann verlangte ihm derart viel Respekt ab, es fühlte sich kein bisschen befremdlich an, für das Seelenheil des Toten zu beten.

So neigte Nikolas mit zusammengekniffenen Augen und gefalteten Händen seinen Kopf zu Boden, was für Außenstehende sicher im schlimmsten Fall albern, mindestens aber ein wenig unbeholfen gewirkt hätte. Rechts neben ihm, er bemerkte es zuerst gar nicht, befand sich ein weiteres, frisch ausgehobenes Grab. Noch ohne Datum und Namen versehen erschien es im Vergleich lieblos und es versetzte ihm einen kühlen Stich, es so zu sehen. Also ging er lieber wieder. Während er seinen vor Kälte leicht zitternden Körper mit geräuschvollen Schritten zum Ausgang des Friedhofs bewegte, begann es zu schneien.

Schnee murmelte er zufrieden zu sich selbst. Es hat seit fünf Jahren an Weihnachten keinen Schnee mehr gegeben. In den letzten Tagen war die Stadt zu seiner Zufriedenheit allerdings von heftigem Schneefall heimgesucht worden. So verfolgte er bald eine vom Wind vor ihm hergetriebene besonders dicke Schneeflocke und lächelte milde, als sie plötzlich auf seiner Nasenspitze landete und langsam schmolz. Kaum hatte Nikolas das Friedhofsgelände verlassen, sponnen sich der Baustellenlärm und die Verkehrsgeräusche der Straßen um ihn wie ein unsichtbarer, lähmender Kokon. Fast so, als hätte er das Tor zu einer anderen Welt betreten, verblassten alsbald die Ruhe und die Mystik des Gottesackers und binnen weniger Momente wurden sie vom ohrenzerreißenden Lärm der Lebenden abgelöst.

Eine halbe Stunde später war er wieder an seiner Wohnung angekommen. Er ließ sich heute etwas mehr Zeit als üblich und ging einen Umweg über eine kleine Bäckerei und ein Steh-Café. Der abschließende Aufstieg bis in den vierten Stock seines Wohnhauses erschien ihm heute Morgen besonders beschwerlich, aber der Gedanke an eine Rückkehr in sein sicher noch leicht angewärmtes Bett war Motivation genug, die sechsundvierzig Stufen zum zweiten Mal am heutigen Tag zu stemmen. Im geräumigen Schlafzimmer blickte er mit müden Augen aus dem Fenster und beobachte mit verschwommenem Blick, wie die großen Eiszapfen an der Dachrinne im frostigen Sonnenlicht des Morgens zu schwitzen begannen. Erst vor wenigen Tagen hatte sich der Punk aus der Erdgeschosswohnung theatralisch bei Nikolas beschwert, er wäre fast von einem der eisigen Stalaktiten erdolcht worden, während er seinen handtaschengroßen Chihuahua spazieren geführt hatte. Dieser verlieh, wie Nikolas heimlich dachte, dem provokanten und schrillen Aussehen seines Besitzers eine Spur selbstironische Albernheit, machte ihn aber umso sympathischer.

Er öffnete das Schrägen-Fenster auf Kipp und genoss den klirrend kalten Wind der hineinzog. Der Straßenlärm und das Stimmengewirr des Weihnachtsmarktes wurden beinahe ungefiltert bis in seine Dachgeschosswohnung hinaufgetragen. Erschöpfter als er es von seinem kurzen Ausflug hätte sein sollen, kollabierte er auf sinem Bett und vergrub den Kopf tief im Kissen der rechten Schlafseite. Er drehe sich schwerfällig auf den Rücken, sein Blick wanderte die Decke entlang. Wie viele Jahre waren vergangen? Zwei oder drei? Es sind Jahre, die ihm mal wie Tage, mal wie Stunden, manchmal aber auch wie Jahrhunderte vorkamen. Zeit kann durchaus gnädig sein und einem die finsteren Abschnitte des eigenen Lebens vorkommen lassen, wie ferne Erzählungen Anderer, die immer fremder klingen, je öfter man sie hört und in Gedanken durchgeht. Konnte man einen solchen Prozess forcieren, ihn vielleicht beschleunigen?

Früher hatte Nikolas angesichts schwerer Gefühlswallungen immer zu Stift und Kladde gegriffen. Er war dafür häufig verspottet worden, aber die Gedanken wollten, wenn er vor dem Notebook oder am Schreibtisch vor dem großen Rechner saß, oft einfach nicht heraus. Schreib‘ es dir von der Seele, dann geht es dir besser, hörte er sein Unterbewusstsein auch jetzt sagen. Er konnte nicht mehr zählen wie viele Anläufe er bis zum heutigen Tag unternommen hatte, die ganze Geschichte in aller Ausführlichkeit aufzudröseln und als Roman zu veröffentlichen. War dieser Gedanke reizvoll? Sicher, manchmal. Eine Verschriftlichung der Ereignisse schafft mehr Distanz und kann gleichzeitig bei der Aufarbeitung helfen. Aber war es das, was er wollte? Ja und nein. Seine Geschichte war lang, konfus und strapaziös, das wusste er. Dennoch keimte in ihm immer wieder der Wunsch auf, ihr eine Plattform zu geben. Sie gehörte schließlich zu ihm und war ein Teil seines Lebens. An sich aber keiner, mit dem er sich hätte schmücken wollen. Es kam also recht regelmäßig vor, dass er mit sich selbst den Kampf austrug, inwiefern es gut wäre, alles aufzuschreiben, es könnte ja auch in autotherapeutischer Absicht für sich selbst geschehen, um dieses Kapitel auf lange Sicht gesehen abschließen zu können. Aber immer hatte ihn etwas in diesem Vorhaben gebremst. Schuld flüsterte es leise in seinen Gedanken. Du fühlst dich schuldig.

„Du hast nicht wissen können, was geschehen würde. Dich trifft keine Schuld. Dich trifft keine Schuld!“ Diese Sätze sprach er dann laut vor sich hin, wie jedes Mal, wenn die Schuldgefühle zu sehr drückten. An manchen Tagen glaubte er sie sogar. Er nahm einige tiefe Atemzüge und spürte einen wohltuenden, weihnachtlichen Geruch in der Nase. Eine ganze Weile hatte er in den tiefsten Windungen sines Kop-fes nach den Assoziationen jenes Dufts gesucht, der sich langsam in jedem Winkel des Schlafzimmers verteilte. Erinnerungen vernebelten seinen Verstand und schickten die Gedanken auf eine einer Achterbahnfahrt gleichende Reise. Gegen seinen Willen war er schließlich zurück. Zurück an jenem besonderen Winterabend, der sein Leben für immer verändern sollte. Jenen 16. November des Jahres 2011.