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Assassin's Creed Odyssey: "(Warum) unterhalte ich euch nicht?!"

29. Dezember 2018 - Lesezeit: 9 Minuten

Meine von mir selbst gesetzte Frist über meine Spieleerfahrungen von 2018 zu schreiben ist lange abgelaufen. Das Wunderbare an selbst gesetzten Fristen ist allerdings, dass sie, namens Omen, von niemandem kontrolliert und eingehalten werden müssten, außer von mir selbst. Es ist Weihnachten. Und mein Geschenk an mich selbst ist eine großzügige Aufhebung der Frist und die Erkenntnis, dass ich hier auf meinem Blog keinen Terminstress brauche. Spiele laufen nicht weg (ich schiele auf dich Octopath Traveler) und nichts hindert mich daran auch weit ins Jahr 2019 hinein über die Spiele von 2018 zu schreiben. Außer vielleicht, ihr habt es erraten, ich selbst.

Ich werde die von mir im Jahre 2018 gespielten Spiele ohne eine abschließende Sterne-oder Prozentrechnung vorstellen und sie statt nach einer bestimmten Werterangordnung, langweilig preußisch korrekt nach alphabetischer Reihenfolge ordnen. Legen wir also los =D

Assassins Creed Odyssey ist in der Zeit nach seiner Präsentation bei der E3 2018 und seinem Erscheinen im Oktober etwa zu gleichen Teilen verflucht und himmelhochjauchzend gelobt worden. Zu Beginn war ich super abgeturnt von Origins 1.5. Einem Reskin eines von mir erst drei Monate zuvor abgeschlossenen Vorgängers, dem ich etwa 120 Stunden meines Lebens gewidmet hatte. Ich erkannte viele der Animationen, Art-Assets und das gesamte UI unverändert aus dem Vorgänger wieder und störte mich sehr an dem Gedanken, ein 60€ DLC anstelle eines echten Nachfolgers zu spielen. Auch die Prämisse eines Assassin's Creed, das 400 Jahre vor der Gründung des namensgebenden Ordens spielte und, zumindest dachte ich das damals, nicht einmal Teil des Canons sei, irritierte.

Aber am Ende des Tages war es dann eben doch Assassins Creed. Eine Serie, die ich seit dem ersten Teil aus dem Jahre 2007 verfolge und aus der ich jeden einzelnen... Oh warte! Mir ist irgendwie, als hätte ich vor Monaten eine Retrospektive über die Serie begonnen, die nie über ein pathetisches Intro hinausgekommen ist. Neeeein, kann nicht sein ;)

Als waschechter Fanboy sicherte der Name Assassins Creed aber wenigstens mein passives Interesse an dem Spiel und ich denke so ging es vielen. Bei der Gamescom Präsentation wurde aus dem Interesse schließlich mehr. Das Gameplay wurde etwas näher beleuchtet, die Welt zeigte sich wesentlich abwechslungsreicher als die endlose Wüste des Vorgängers und auch die Protagonisten bekamen mehr Beachtung. Ich mochte plötzlich dem Gedanken eines Spin off Titels, der ganz ohne Kredo und nicht zuletzt auch durch die Kämpfe gegen Medusa, Minotaurus und Co eine nette Abwechslung zu den (mehr oder weniger) realistischen Settings sonstiger Ableger darstellen könnte. Nachdem ich in den Folgewochen unzählige Interviews, Videos und Artikel über das Spiel konsumiert hatte und schließlich auch erste Previews eintrudelten, war das Hypemonster in meinem Inneren geweckt. Der 5. Oktober konnte gar nicht schnell genug kommen.

Die Tests im Vorfeld des Releases gaben meinem neuen Enthusiasmus mehr Nahrung. Es hagelte Neunen von fast sämtlichen größeren Outlets (Metacritic: 87) und das Spiel wurde universell gelobt. Am 6. Oktober, passenderweise einem Samstagmorgen, erhielt ich mein Exemplar. Knapp 3 Monate und 138 Spielstunden später habe ich eine Menge zu dem Spiel zu sagen. Und keiner ist am Ende überraschter als ich selbst. Es folgen einige Spoiler, sorry =D

Fangen wir mit den positiven Aspekten an. Odyssey sieht besser aus spielt sich auch besser, als alle seine Vorgänger. Die Animationen sind flüssig, das Stealth funktioniert sehr gut, der Schnellauswahl-Zugriff auf die verschiedenen Skills ist essentiell und sollte für Spiele dieser Art auf der Konsole Standard werden. Die Welt ist, ich übertreibe nicht, lächerlich groß. Es gibt Teilregionen, die größer und detaillierter wirken als das gesamte Areal vorheriger Titel. Mehr dazu später. Kassandra als Protagonistin ist großartig vertont und (sicherlich auch abhängig von den Entscheidungen des Spielers) ein hochinteressanter und facettenreicher Charakter. Es gibt so viele Quests, dass man sich an ein MMO erinnert fühlt und nur in absoluten Ausnahmefällen sind es langweilige Fetchquests. Die Story ist zwar in mancherlei Hinsicht blass bis lächerlich albern (Episch-Kitschige Historienmomente sucht man komplett vergebens, crazy Verschwörungsmomente gibts dafür dieses Mal zu viele), aber für die Metaebene auch sehr wichtig. Erst Vorgestern, lange nachdem ich die Story beendet hatte, wurde mir klar, dass AC Odyssey die Entstehungsgeschichte des Templerordens beinhaltet. Sie heißen natürlich noch nicht so, tun sie ja noch nicht einmal in Origins 400 Jahre später. Aber nachdem man den Kult des Kosmos zerschlagen hat und sich die Anführerin offenbart, gibt es keine Zweifel mehr. Sie bedankt sich für die Zerstörung des Kultes, da er von innen korrumpiert war und möchte einen neuen Orden aufbauen. Einen Orden, der Ordnung in die von Krieg zerstörte Welt bringt. Einen Orden, der von Menschen für Menschen gemacht ist, Religion nur als Kontrollinstrument zulässt und keine demokratischen Elemente, sondern einen weisen Anführer braucht.

Jetzt fragt man sich an dieser Stelle natürlich eine Sache: "Matti, du hast ein Assassin's Creed mit gigantischer Welt, teils tollen Charakteren, spaßigem Kampfsystem und einer, wenn auch manchmal unfreiwillig, unterhaltsamen Geschichte. Warum liebst du es nicht total? Warum ist es nicht dein Lieblingsteil der Reihe? Was hast du geraucht, Dude?"

->Seit dem 29.1.2014 gar nichts, danke der Nachfrage, Arschloch!

Das nicht alles Gold ist, was glänzt ist nicht nur eine alte Kalenderweißheit, es ist manchmal eine schmerzhafte Wahrheit. Odyssey macht fast alles gut. Manches sogar sehr gut. Aber eben nichts wirklich Herausragendes.

  • Die Spielewelt ist riesig, ja. Aber sie wirkt auch hoffnungslos aufgebläht und zerstört jegliches Gefühl des Vorrankommens.
  • Die Grafik ist hübsch, aber es gibt definitiv hübschere Spiele
  • Das Kämpfen ist schnell und flüssig, aber bei weitem nicht so präzise und zufriedenstellend wie beispielsweise in Souls
  • Die Kämpfe zu Wasser machen Spaß, es gibt aber im Vergleich zu Black Flag und Rogue überhaupt keine Neuerungen
  • Das Rekrutieren von Mannschaftsmitgliedern ist eine nette Idee, hat aber fast keine Auswirkungen auf das Gameplay
  • Auch wenn eine Handvoll Charaktere durchaus sympathisch sind, fehlen ihnen einprägsame Momente innerhalb der Geschichte.

Etwas, das Assassins Creed immer ausgezeichnet hat, waren seine toll inszenierten historischen Schauplätze und selbstverständlich die namensgebenden Attentatsmissionen. Unvergessen ist etwa die Renaissance- Bromance zwischen Ezio und Leonardo Da Vinci, dessen (de facto real existierende Erfindungen) die Arbeit des jungen Assassinen vereinfachten. Gleiches gilt für die Ermordung Cäsars im Senat in Origins oder die Teilnahme an der Hinrichtung Ludwig XVI, dem gescheiterten Revolutionskönig, in Unity. Nicht selten habe ich im Vorfeld zum neusten Release der Serie begonnen, mich ein wenig in die jeweilige Zeitepoche einzuarbeiten, ein Gefühl zu bekommen für die Denke und Probleme der jeweiligen Kulisse. Sogar Hausarbeiten und Referate innerhalb meines Geschichtsstudiums gehen indirekt auf Assassin's Creed Spiele zurück; einfach weil ich ein starkes Interesse für die entsprechenden Geschichtskapitel entwickelt hatte. Somit haben die AC Titel in meiner Lebenswelt immer eine doppelte Funktion eingenommen. Sie haben mich unterhalten und indirekt auch zu meiner Fortbildung beigetragen.

Fairerweise muss man sagen, dass es auch in Odyssey eine Vielzahl historischer Persönlichkeiten gibt, unter ihnen Sokrates, Hippokrates, Aspasia, Pythagoras und Leonidas. Was fehlt sind aber die besonderen Momente mit jedem von ihnen. Einprägsame Quests wie zum Beispiel das Beschaffen von Leichen für Leonardos Anatomiestudien, oder das Nachgehen scheinbar unerklärbarer Phänomene, um Charles Dickens neue Inspiration für zukünftige Werke zu liefern. Für die Story wirklich wichtig ist in AC Odyssey (fast) kein historischer Akteur und wenn, dann wirkt es unglaublich forciert und banal.

Attentate gibt es in Odyssey überhaupt nicht. Kein einziges. Sicher, man muss auch hier per Schwertkampf den ein oder anderen Bösewicht ausschalten und sich im Vorfeld mit seinen Schergen herumschlagen, aber Attentäter ist man dabei kein einziges Mal. Man muss nicht schleichen, man braucht keine Ablenkungsmanöver, es ist nicht nötig, vor einer Mission ein Areal auszukundschaften, wie es etwa die Blackbox Missionen in Unity verlangten oder Spiele wie Dishonored

Die Folge von alledem ist, dass Assassins Creed seinen Gameplaykern, sein Alleinstellungsmerkmal verloren hat. Es spielt sich gut, ja. Und es braucht den Vergleich mit Horizon, Witcher 3 und Co nicht zu scheuen. Aber kann das der Anspruch sein? Anstatt weiter an alten Stärken zu arbeiten und Schwächen abzubauen einfach mehr oder minder 1:1 einen Gamedesign Klon namenhafter Platzhirsche abzuliefern? Ich sage nein. Als Tausendsassa wird Odyssey aufgerieben und wirkt ausgemergelt. Ich glaube, das Spiel hätte viel besser funktioniert, wenn man sich beispielsweise was den Schauplatz angeht, nur auf Athen, respektive die Region Attika beschränkt hätte und dafür viel mehr ins Detail gegangen wäre. Wenn die Persönlichkeiten aus der Geschichte einem mit sinnvollen Ratschlägen und/oder Equipment helfen würden oder zumindest Questreihen böten, die einzigartig sind und im Gedächtnis bleiben.

Zusammenfassend kann ich festhalten, ja, AC Odyssey ist ein gutes Action-RPG mit riesiger Spielewelt und toller Protagonistin. Man kann hier eine unterhaltsame Zeit erleben und sich halbe Nächte um die Ohren schlagen, wenn man denn gewillt ist auch das letzte "?" aufzudecken. Aber bietet einem Odyssey etwas, was man nirgends sonst finden kann? Macht es Dinge am Ende des Tages besser, als andere Spiele des Genres? Nein!

Für mich ergab sich daraus unter dem Strich eine fast schon schizophrene Spieleerfahrung. Ich hatte sehr viel Spaß mit Odyssey und bereue nicht wirklich, es gespielt zu haben. Gleichzeitig sind mir unglaublich viele Schwachpunkte an dem Spiel aufgefallen, bei denen ich nicht sicher sein kann ob und inwieweit ich sie zukünftigen Teilen verzeihen möchte. Back to the roots lautet daher zum Schluss mein Ratschlag an Ubisoft. Modernisiert und erweitert das ursprüngliche Konzept von Assassin's Creed, anstatt Open World RPG Nr. 200000045 zu entwickeln.


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Game of the Year Watch 2018: Intro

18. November 2018 - Lesezeit: 2 Minuten

Der Blick auf den dünner werdenden Kalender, das Bedürfnis einen Schal und an manchen Tagen vielleicht sogar zusätzlich eine Mütze zu tragen und nicht zuletzt der rasant ansteigende Gaszähler im Flur können nicht irren: Das Jahr 2018 neigt sich seinem Ende zu.

Man könnte an dieser Stelle nun so einiges Schreiben über eben dieses Jahr 2018. Über chaotische Regierungsverhältnisse und sportliches Versagen im Land des (Ex)- Weltmeisters, über eine sächsische Großstadt, die feiert like it‘s 1938, über Energiekrisen, über Waldbrände oder orangefarbenen Moguls, die gerne mit dem Regierungsbaukasten spielen wollten und so weiter und so weiter. Mein Interesse, mich über all diese Dinge auszulassen, hält sich in Maaßen (ja, war Absicht), das können andere Menschen sehr viel besser und fachlich kompetenter als ich.

Auf die schönste Nebensache der Welt, den Fußball, kann ich mich ja nun dieses Jahr auch nicht gerade stürzen, also werden es die von mir fast noch mehr geschätzten jeux vidéo, mes amis. (shoutout to Frankreich, den Weltmeister 201... ach naja)

Und was für ein Jahr war das doch für Videospiele. Beinahe auf monatlicher Basis wurden wir mit 2-3 hochklassigen Titeln verwöhnt, aus kleinen und großen Softwareschmieden gleichermaßen. Es waren in der Tat so viele, dass ich am Ende des Jahres feststellen muss, einen beträchtlichen Teil von ihnen gar nicht erst gespielt zu haben. Monster Hunter World, Shadow of the Colossus, Far Cry 5, Dragon Ball FighterZ, Shadow of the Tomb Raider, Dragon Quest XI, Spider-Man (ich weiß, ich hasse mich auch), um nur einige zu nennen.

Nichtsdestotrotz möchte ich mich von heute an einer kleinen Auswahl an Spielen widmen, die ich dann eben doch 2018 spielen konnte und durfte und mich gedanklich über sie auslassen. Es sind insgesamt sieben Stück, der Plan lautet bis zu den am 7.12. stattfindenden Game Awards zu jedem Titel einen kleinen Essay zu präsentieren. Ein paar Worte vorweg noch: Die sieben Spiele, die zur Auswahl stehen sind nicht zwangsläufig meine Lieblingsspiel des Jahres 2018, eigentlich haben mich zwei von ihnen sogar ziemlich enttäuscht. Es sind einfach die sieben Spiele, die dieses Jahr am meisten Spuren hinterlassen haben.

Los geeeeeeht's =)


I fell in love with you, *Hard* and Soul(s)

5. September 2018 - Lesezeit: 7 Minuten

Die seit Anno 2009 laufende Souls Reihe des japanischen Entwicklerstudios FromSoftware besitzt in der Community, vorsichtig gesagt, einen ambivalenten Ruf. Solche, die diese Spiele lieben, verlieren sich im unendlich tiefen Hintergrundgeschehen, dem fordernden und teils komplexen Kampfsystem, dem orchestralen Soundtrack und dem brillanten World Building. Wieder andere haben nicht die Geduld, die Zeit oder einfach nicht die Lust, dem Spiel soviel zu geben, wie es verlangt. Denn es dauert nicht selten Ewigkeiten, bevor es die investierten Anstrengungen, wenn überhaupt, angemessen würdigt.

Ich selbst habe mich immer zu der zweiten Gruppe gezählt. Ich hatte keine Lust auf den Stress, wusste um meinen mitunter sehr kurzen Geduldsfaden und hatte genug Respekt vor meinen teils sehr heftigen emotionalen Reaktionen bei Niederlagen, um diese Art Spiel zu meiden. Nicht so ein alter Freund von mir. Seit Jahren hing er mir mit der Serie in den Ohren, schmiss mit Superlativen um sich und präsentierte sie als in jeglicher Hinsicht essenziell. Weichklopfen konnte er mich allerdings nie wirklich mit seinen Tiraden.

Im August 2016 stöberte ich dann allerdings durch den PSN Store meiner PS3 und entdeckte direkt an zweiter oder dritter Stelle Demon’s Souls für den doch arg reduzierten Preis von 4,99€. Nach kurzem Hin und Her in meinem Kopf gewann die Überzeugung …dann hast du es wenigstens einmal versucht und ich lud das Spiel herunter. Nach nicht einmal zwei Stunden konnte ich feststellen: „Ja, es ist tatsächlich nichts für mich!“

Im Oktober 2017 lag ein weiteres Jahr hinter mir und es war ein besonders forderndes und emotionales seiner Art gewesen. Der Herbst war vollständig angekommen und obwohl es meine Lieblingsjahreszeit ist und schon immer gewesen war, fühlte ich mich unzufrieden und war in eher bedrückter Stimmung. Einmal mehr stieß ich im PSN- Store auf mehrere Angebote besonders beliebter Titel. In diesem Fall sprang mich vor allem Bloodborne an. Ich wusste natürlich, dass es ein Spin Off der mir mittlerweile bekannten Souls Reihe war. In Hinblick auf den August des Vorjahres hätte ich mich fernhalten sollen. Ich wusste aber auch, dass ich seit Release des Spiels immer wieder über Stil und Artdesign ins Staunen gekommen war. Der einzige Grund für mich, es nicht zu spielen, war mein Wissen um seinen Schwierigkeitsgrad. Ich sah mir kurzentschlossen einige Videos über das Spiel an und fand jede Menge Ventile für meine finstere Stimmung vor. Also schlug ich zu. Ich überlegte es mir nicht lange. Selbst wenn es zum Schluss auf meinem virtuellen Friedhof landen würde, es war das Spiel, was ich an diesem Abend einfach haben wollte.

Nun wird es keinen überraschen, dass ich auch dieses Mal direkt im Eröffnungsareal komplett kassierte; chancenlos und geprügelt stand ich nach zwei Stunden an exakt der gleichen Kreuzung wie im August zuvor. Nur dieses Mal nahm ich den anderen Weg. An dieser Stelle wird es kitschig, ekelhaft, hochtrabend und anderweitig wiewörtig. Ich bitte trotzdem darum, durchzuhalten =)

Mit mir geschah an diesem Sonntag das, von dem ich glaube, dass es auch mit Wanderern oder Pilgern auf ihren langen, beschwerlichen Routen passiert. Man entwickelt einen Tunnelblick für die Umwelt und trivialen Gedanken und wird stattdessen vollständig auf sich selbst zurückgeworfen. Wenn man immer wieder an den gleichen Gegnern scheitert, reagiert man nur am Anfang mit Wut und Frust. Bei dem gefühlt hundertsten Versuch ist keine Wut mehr übrig. Man kennt die Bewegungen und Angriffsmuster der Monster so genau, dass sich ein Automatismus einzustellen beginnt.

Ohne es gewollt oder forciert zu haben, begann ich damit, die Monster, Dämonen und Bestien aus dem Spiel metaphorisch als meine Monster, Dämonen und Bestien zu sehen. Sie transformierten vor meinen Augen in all die Verletzungen, Ungerechtigkeiten und Verluste, die ich in meinem Leben erdulden musste. Und mehr: Ich sah auch all die Ungerechtigkeiten und Verletzungen, die ich selbst anderen Menschen angetan hatte, in ihnen. So wurde Bloodborne zu meinem virtuellen Jakobsweg, zur Softwareversion der Sisyphusarbeit. Jeder Sieg gegen eine der Kreaturen kam mir wie ein Schritt aus meiner finsteren Stimmung heraus vor, jede Niederlage wie ein verdientes Büßen für mein eigenes, falsches Verhalten in der realen Welt. Innerhalb der nächsten zwei Monate spielte ich über 150 Stunden, erkundete die Welt bis in den letzten Winkel, sammelte alle Collectibles und absolvierte auch den schwersten Geheimdungeon.

Es waren mitunter spirituelle Erfahrungen, die ich auf meiner Reise durch die Welt von Bloodborne erlebte, das kann ich ohne Übertreibung so behaupten. Große Triumphe, noch größere Niederlagen, die wiederum von noch einmal größeren Siegen abgelöst wurden, zeichneten dieses Bild genauso, wie die fantastische Spielewelt, ergreifende Musik und die zahlreichen (philosophischen) Erkenntnisse, die ich aus dem Spiel gewinnen konnte. Die Zauberformel, die einen alles, was einem Bloodborne entgegen schleudert, aushalten lässt, kann ohne Abstriche auf das Alltagsleben übertragen werden. Es klingt wie gesagt klischeehaft und abgenutzt, verliert aber nie an Bedeutung. Die Antwort auf jede Krise, jedes unlösbare Problem und eben auch jedes noch so angsteinflößende Monster ist so leicht; und doch muss man sich regelmäßig daran erinnern: Geh weiter!

Und das tat ich. Sowohl im echten Leben, als auch an der Konsole. In den Folgemonaten stellte ich mich ehrlicher und offener denn je meinen realen Problemen und finsteren Gedanken und auf der Playstation zog ich weiter durch die Welten von Dark Souls I – III und fand hier tatsächlich eine Fortsetzung der wörtlichen und metaphorischen Reise vor. Ich möchte an dieser Stelle nicht so tun, als ob Bloodborne oder andere Soulsesque Spiele tatsächlich Depressionsepisoden heilen können. Dazu gehört sehr viel mehr, als rechtzeitig auszuweichen und im perfekten Moment immer wieder R1 zu drücken oder den Lebenstrank hinunterzukippen. Aber doch kann es helfen. Für mich waren es die perfekten Spiele zu perfekten Zeit meines Lebens. Noch nie habe ich Medienkatharsis in der Praxis so unmittelbar erfahren, wie in diesen Monaten.

Git Gud! Für diese unsägliche Phrase hat die Souls Community traurige Berühmtheit erlangt. Ein arrogantes „Werde Gut!“ vom hohen Ross des Dämonenbezwingers, der jeden Neueinsteiger direkt abschmettert.

Wie besiege ich die Klerikale Bestie? – Git Gud!

Wo finde ich die Waffe XY? – Git Gud!

Wie erhöhe ich die Kapazität meine Tränke – Git Gud!

Ich bin vielleicht naiv, aber ich glaube, dass hinter dieser Floskel mehr steckt, als man zuerst denken mag. Der Ratschlag „Werde Gut!“ ist kein Smacktalk oder arrogantes Gehabe von erfahrenden Spielern. Zumindest nicht vorrangig. Vielmehr geht es tatsächlich darum, dass nichts anderes bei diesen Spielen wirklich hilft, außer gut zu werden. Die beste Ausrüstung und der höchste Charakterlevel helfen Einsteigern nicht, das Spiel zu meistern. Sie müssen seine Mechaniken verstehen, seine Welt erschließen und eigene Strategien entwickeln, um alle Bestien besiegen zu können. Nur so kann man das Meiste aus der Erfahrung herausholen. Werde gut! sollte erweitert werden zu „Werde gut, denn es lohnt sich!“ Der Einfachheit halber könnte der Rat aber auch knapp lauten: Geh weiter!


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Assassin's Creed: Ich liebe es, ich liebe es nicht, ich liebe es... Ein Rückblick; #0

19. August 2018 - Lesezeit: 4 Minuten

Beginnen möchte ich diese Reise in die virtuelle Vergangenheit mit einem Gedanken, der nicht weniger pathetisch klingt, als er klischeebehaftet ist: "Geschichte habe ich schon immer geliebt!"

Auch wenn ich im selben Atemzug die Einschränkung hinzufügen muss, dass „immer“ in diesem Fall seit meinem vierzehnten Lebensjahr bedeutet, mindert es nicht meine Passion für die personalisierte Lehrmeisterin des Lebens. Es war der Moment, in dem die trockenen Lückentexte über Gilde und Zunft, die meist gepaart mit nicht enden wollenden Erläuterungen zum Lehnswesen auftraten, abgelöst wurden von einem der gewaltigsten und bedeutsamsten Ereignissen der frühen Moderne: Die Französische Revolution. Plötzlich war das Fach Geschichte mehr als auswendig zu lernende Jahreszahlen und klinische Statistiken zu Missernten oder Kriegen.

Es taten sich stattdessen Welten auf, voller aufwühlender Tagebucheinträge Pariser Dorfbewohner, provokanter Karikaturen, Briefe des verzweifelten französischen Königs aus der Gefangenschaft oder pompöse Gemälde des Sturmes auf die Bastille. Erstmals trat bewusst auch Philosophie in mein Leben. Große Politdenker wie Charles de Montesquieu auf der einen, aber auch eigene Gedanken über den Menschen das Leben und die Welt auf der anderen Seite. Wie können Menschen, die so passioniert gegen die Ungerechtigkeiten der Ständegesellschaft und für Freiheit Gleichheit und Brüderlichkeit kämpften, so grausam sein? Sich gegenseitig foltern und auf schaurigste Art und Weise umbringen? Noch wichtiger: Wie kann es sein, dass eine Nation, die es tatsächlich vollbringt die Jahrhunderte alten Muster königlicher Herrschaft zu verlassen, keine fünfzehn Jahre später von einem Kaiser regiert wird?

Auch wenn ich heute mit mittlerweile 28 Jahren und einem abgeschlossenen Geschichtsstudium weiß, dass die damaligen Ereignisse unglaublich komplex waren und kaum Schwarzweißmalerei zulassen, waren es diese Fragen, die damals als Funke für das Feuer der Geschichtsbegeisterung dienten, das noch heute in mir brennt.

An dieser Stelle fragt man sich völlig berechtigterweise, was diese ausschweifenden und zugegebenen recht kitschige Einleitung überhaupt mit Videospielen zu tun hat. Aber die Antwort ist leicht. Dieser grundsätzliche Enthusiasmus für Historie liefert die wichtigste Grundlage meiner Liebe zu einer Reihe, die im vergangenen Jahr bereits zehnjähriges Jubiläum feiern durfte: Assassin’s Creed.

Eine Reihe, die erst polarisierte, dann wieder völlig begeisterte, nur um schlussendlich wieder zu polarisieren. Nicht wenige der Journalisten und Spieler, die ihr einst unerschöpfliches Potenzial attestierten, flehen heute um ihre Einstellung. Ein Avantgardebeispiel des Videospiels als Medium der Kunst und narrativen Exzellenz ist verkommen zu einem alljährlichen Aufguss, einem faden Nachschlag eines schon längst nicht mehr köstlichen Gerichts.

Ein „Call of Duty für Geschichtsnerds“ sagt der Hater, ein „verwässertes Actionspiel für Stealthanfänger“ mault der Skeptiker, ein „Paradebeispiel für die bis zum letzten Tropfen gemolkene Wollmilchsau“ nennt es wiederum der Zyniker. All diese Anschuldigungen, soviel ist bereits bekannt, würde ich niemals einfach so unterschreiben. Aber ich kann absolut nachvollziehen, woher sie kommen und mit vollster Überzeugung widersprechen kann und möchte ich keiner davon.

Ich liebe Assassin’s Creed. Zu einer Liebe gehören aber auch Streit, Wut und Enttäuschung. Zu einer Liebe gehören Passion und Begeisterung ebenso dazu, wie Talfahrten und Missverständnisse. Manchmal, so musste ich lernen, gehören nach einigen Jahren zu einer Liebe Bugs, Abstürze und Framerateeinbrüche, Verbindungsfehler und Mikrotransaktionen. Das sind die Momente, in denen aus einer Liebe Hass werden kann. Aber auch Hass ist eine starke Emotion, hinter der sich oft einfach nur die Machtlosigkeit verbirgt, an einer bestimmten Situation nichts ändern zu können. Die sechzig Euro sind bezahlt, die dreißig bis fünfzig Stunden sind für immer von der Lebenszeit abgezogen. Man möchte lieben, kann es aber nicht (mehr). Wäre meine Liebe zu Assassin’s Creed eine reale Beziehung wäre unser Facebook-Status "kompliziert". Unsere Twitterfeeds wären voll mit kryptischen Nachrichten und Links zu Taylor Swift Songs. Keiner wüsste so richtig, wie es weitergehen soll.

Natürlich ist das alles hier mit einer Prise Ironie zu verstehen, aber unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass meine Passion zur Realgeschichte und meine Passion für Assassin’s Creed untrennbar miteinander verbunden sind. So kam ich auf die Idee, die Geschichte dieser Serie, anlässlich des bevorstehenden Releases von Assassins’s Creed: Odyssee, wiederum in eine Serie für mein Blog zu verwandeln. Eine Retrospektive meiner wundervollen Hassliebe. Gespickt mit Erinnerungen und kleinen Rezensionen, Hoffnungen und Erwartungen für die Zukunft der Reihe und sonstigem Krimskrams, der sich beim Schreiben ergibt!

Beginnen werde ich alsbald mit dem original Assassin's Creed vom November 2007.

Stay tuned, wie die coolen Kids heute sagen =D


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Tagebuch der 8samkeit, Eintrag #7: Ein "Berg" von einem Mann

28. Juli 2018 - Lesezeit: 4 Minuten

Olberic Eisenberg. Den Namen dieses stolzen Ritters und ehemaligen Mitglieds der Königsgarde muss man erst einmal sacken lassen. Es wird auch, zumindest für das deutschsprachige Publikum, kaum besser, wenn man ihn gleich zu Beginn die unbeugsame Klinge von Hornburg schwingen sieht. Hornburg ist ein winzig kleiner Ort in Niedersachsen, mit gerade einmal 2449 Einwohnern (Wikipedia).

Geschenkt. Suspension of Disbelief ist schließlich das Wichtigste beim Konsum von Fiktion respektive Fantasy. Olberic lädt uns, wie Primrose vor ihm, in der Exposition seiner Geschichte in die Vergangenheit ein. Wir sehen den Ritter auf dem Schlachtfeld gegen eine ganze Reihe feindlicher Soldaten kämpfen, die sich aufgrund seiner beeindruckenden Schwertkünste schon bald geschlagen geben müssen. Olberic eilt daraufhin zu seinem König, um ihm Bericht zu erstatten und neue Befehle zu erhalten. Da geschieht es. Hilflos muss Olberic mit ansehen, wie sein Schildbruder Erhardt (ja, tatsächlich...) den König dahinschlachtet. Sein alter Weggefährte erklärt sich nicht einmal, nein, er brüstet sich mit der Tat und lässt Olberic nach einem kurzen Zweikampf an Ort und Stelle zurück. Diese Einführung ist so simpel, wie sie effektiv ist. Uns erwartet wohl ein tarantinoesquer Rachefeldzug.

Im Hier und Jetzt erfahren wir bald darauf, dass Olberic nach diesen Ereignissen seinen Titel als Ritter abgelegt und im Bergdorf Pflastersten unter falschem Namen ein neues Zuhause gefunden hat. Herr Berg wird er hier von allen genannt und er verbringt seine Tage mit der kämpferischen Ausbildung von Rekruten der Stadtwache. Ein kleiner Junge aus dem Dorf, sein Name ist Philip, wünscht sich ebenfalls sehr, von Olberic unterrichtet zu werden. Er will seine Mutter beschützen lernen, die den Jungen alleine großziehen musste.

Gerade als sich eine gewisse Idylle einstellen möchte, überschlagen sich die Ereignisse und nehmen eine, zugegeben sehr vorhersehbare, Wendung. Eine Gruppe von Räubern überfällt das Dorf und auch wenn der alte Olberic selbstverständlich keinerlei Probleme damit hat die Schergen zu besiegen, kann er die Entführung des kleinen Philip nicht verhindern. An diesem Punkt schließt sich der Veteran meiner Gruppe rund um Alfyn an und macht sich auf, den Kleinen zu befreien.

Nicht ohne eine gewisse Enttäuschung erkenne ich die deutlichen Parallelen zu den bisherigen Expositionen, als ich die nahegelegende Banditenhöhle betrete. Mit einer Laterne ausgerüstet erkundet meine Gruppe ein übersichtliches Dungeon und knackt eine Handvoll Truhen. Keine fünf Minuten dauert es, da steht mein frisch zusammengewürfeltes Quartett auch schon wieder vor dem Boss dieses Areals. Der Banditenanführer Gaston bittet zum Kampf.

Gaston bereitet mir nicht wirklich Probleme, die Auseinandersetzung zieht sich allerdings doch arg in die Länge, wie ich finde. Als er besiegt ist nimmt er aber nicht etwa wie Roses Zuhälter einen letzten Atemzug. Er scheint nur nicht mehr kämpfen zu wollen. Stattdessen stoßen bald einige Dorfbewohner zu uns. Was dann folgt, ich kann es ohne Sarkasmus sagen, ist einer der schlechtesten Dialoge, die mir seit Jahren in einem Spiel begegnet sind. Zusammenfassen lässt er sich in etwa so:

Olberic: „Gaston! Hör auf böse zu sein!“

Gaston: "Du hast Recht. Ich werde mein Leben überdenken. Ach, übrigens: Ich kenne jemanden, der weiß wo Erhardt ist. Er lebt da und da."

Olberic: "Was? Oh, ich werde mich sofort dort hinbegeben. Kommt mit, ihr Menschen, die ich kaum kenne. Zuerst lasst uns aber Philip nach Hause bringen."

Gastons Männer: "Leute, das ist übrigens nicht irgendein Herr Berg. Es ist der legendäre Olberic Eisenberg!"

Olberic: „Stimmt!“

Das Ganze ist so Banane, dass man nicht wirklich weiß, ob man lachen oder weinen soll. Mit dem finalen Auszug aus Pflastersten endet dann auch Olberics erstes Kapitel und die Gruppe kann sich ihr nächstes Mitglied suchen. Bevor ich das allerdings in Angriff nehmen möchte, erledige ich ein paar Quests mit Hilfe von Olberics Spezialfähigkeit, dem Duelieren. Mir sind da zwei Nebenaktivitäten in Sonnschatt im Gedächtnis geblieben.

Ein Tunichtgut belästigt eine unschuldige Reisende (das schreibe ich nicht einfach, so sind die Charaktere vom Spiel betitelt) und wird von mir mit Leichtigkeit bezwungen. Kein Problem. Danach stelle ich mich einem betrunkenen Türsteher, der seinem Chef Probleme macht und werde von ihm mit Leichtigkeit bezwungen.

Problem!

Mein Stolz ist gekränkt, aber für einen Eintrag ohnehin genug erzählt. Bis zum nächsten Mal =)


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Tagebuch der 8samkeit, Eintrag #6: Etwas abseits des Weges...

21. Juli 2018 - Lesezeit: 4 Minuten

Wenn meine Gruppe in einem RPG drei oder mehr Mitglieder stark wird, fällt in meinem Kopf meistens eine Schranke, die darüber zu entscheiden hat, ob und bis zu welchem Grad ich mich wirklich auf den Titel einlassen möchte. Die ersten fünf bis zehn Stunden liegen zu diesem Zeitpunkt meistens hinter einem, man hat die Spielewelt, ihre Bewohner, Möglichkeiten und Grenzen ausreichend beschnuppern können. Jetzt stellt man sich die Frage: Gehe ich weiter oder spiele ich etwas Anderes, bevor ich storytechnisch zu weit bin?

Im Falle von Octopath Traveler dauerte dieses Gedankenspiel allerdings nicht allzulange. Zum einen natürlich, weil das Spiel ein entscheidender Faktor bei der Geburt dieses Blogs war und ich mich ihm ein Stück weit verpflichtet fühle. Wichtiger ist aber noch, dass mir das Spiel einfach wirklich Spaß macht. Sicherlich sind nach den erwähnten zehn Stunden langsam einige Dinge zu Tage gefördert worden, die mir weniger gefallen und die ich mir für einen etwaigen Nachfolger generalüberholt wünsche (mehr dazu gleich). Trotzdem bin ich dem Charme des Spiels schlicht unverändert komplett verfallen. Ich spüre das Herzblut, dass hier in so viele Elemente geflossen ist, ich mag das unkomplizierte und doch stellenweise erstaunlich flexible und taktische Kampfsystem und ich erwische mich immer wieder selbst dabei, wie ich gut bekannt gewordene Melodien summe oder auf der Suche nach Items und Nebenquests mit einem breiten Grinsen im Gesicht durch die Welt ziehe.

Gleichzeitig kann und will ich nicht ignorieren, dass ich mir einiges anders wünschen würde, respektive Dinge, die mich zu Beginn kaum oder gar nicht störten, nun doch langsam negativ ins Gewicht fallen. Als erstes ist definitiv die mangelnde Kommunikation, die fehlende Verbindung zwischen den verschiedenen Charakteren zu nennen. Ja, die Erzählstruktur des Spiels hat, vermutlich mit Absicht, Kurzgeschichtencharakter. Aber wenn die anderen Charaktere aus der Gruppe kein Wort dazu sagen, dass vor ihren Augen eine Frau ermordet und ihre Gefährtin wüst beschimpft wird, nur um sich Sekunden später an ihrer Seite in einen Kampf auf Leben und Tod zu stürzen- dann wirkt das doch ziemlich seltsam.

Gegen einen strengen Fokus auf bestimmte Charaktere in einzelnen Kapiteln ist absolut nichts einzuwenden, im Gegenteil. Ich wünsche mir für andere RPGs, dass sie dieses Rekrutierungssystem adaptieren. Ein System das einen "zwingt", erst einmal für ein bis zwei Stunden in die Welt des neuen Charakters einzutauchen und seine Geschichte kennen zu lernen, bevor er sich der Gruppe anschließen kann oder möchte. Das Ganze wird aber dann problematisch, wenn das Spiel so tut, als hätte es nur einen einzigen Protagonisten. Immer und immer wieder.

Ebenfalls schade finde ich, dass Octopath Traveler niemals unter Pfützentiefe eintaucht, wenn es um die Geschichten geht, die seine Welt und Charaktere zu erzählen haben. Das gesamte Questdesgin ist auf die Plattform ausgelegt, auf der das Spiel läuft. Kaum eine Nebenquest dauert länger als zwei Minuten, gefühlt alle drei Meter finden wir einen Speicherpunkt. Dadurch vermittelt Octopath in gewisser Weise den Eindruck, in erster Linie ein Spiel für zwischendurch zu sein, dass sich nicht zuzutrauen scheint, nach Xenoblade das zweite hardcore RPG auf der Switch zu werden. Böse könnte man auch sagen, es spielt sich teilweise wie eine Portierung eines Mobile Games. Aber das wäre wohl zu gemein. =)

Genug mit dem Zwischenfazit. Das Spiel ist grundsolide und macht definitiv mehr richtig, als es falsch macht. Also wird es Zeit sich wieder in seine Welt zu stürzen. Wie in meinem letzten Eintrag angekündigt, beschließe ich mich mit meinem Trio einiger Nebenaktivitäten anzunehmen. Zuallererst kümmere ich mich natürlich um den alten Mann vor Sonnschatt und führe ihn wieder mit seinem Enkel in Klarach zusammen. Außerdem helfe ich einer verzweifelten Wanderin, die sich selbst Mutter der Drachen nennt ( Hallo, Game of Thrones), eines ihrer heiligen Echseneier wiederzufinden oder verhelfe einem frustrierten Fischer zu einem längst überfälligen Fangerfolg.

Das alles sind kurzweilige Aktivitäten, die mich allerdings nicht lange von der Hauptstory fernhalten können. Ich stoße schon bald auf zwei Quests, für die ich einen Charakter brauche, der andere Personen zu einem Zweikampf bewegen kann. Aus meinem Triumvirat, ein Heiler und im Prinzip zwei Schurken, kann das keiner tun. Der Ritter Olberic, das weiß ich aus der ersten Demo des Spiels, hat diese Spezialfähigkeit. Also mach ich mich auf, den grobschlächtigen "Tank" zu rekrutieren

Mal sehen, was er zu erzählen hat. =)